Nordlichter und Island, das gehört zusammen wie Feuer und Eis. Zumindest da oben!

Viele Mythen und Geschichten ranken sich um die Himmelserscheinungen die jeder Islandurlauber gerne sehen möchte. In diesem Beitrag möchte ich alles wissenswerte zum Thema zusammentragen und dir Tipps für die Jagd auf Polarlichter in Island geben.

Los geht’s…

Nordlicht / Polarlicht bei Akranes, Island

Nordlicht / Polarlicht bei Akranes, Island
Von Theo Schacht – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0

Wann ist die beste Zeit um Nordlichter in Island zu sehen?

Die beste Zeit für Nordlichter in Island sind die Wintermonate. Wer zwischen September und Mai vor Ort ist, hat auf jeden Fall gute Chancen auf die Polarlichter.

Man kann allerdings nicht einfach sagen: Desto mehr Winter, desto mehr Nordlichter. Dezember und Januar sind beispielsweise rein statistisch mit weniger Aktivität gesegnet als September, Oktober und März. Dies sind die aktivsten Monate und haben die höchste Wahrscheinlichkeit auf eine Kombination aus Aktivität und wolkenfreiem Himmel.

Im Sommer wird man es dagegen schwer haben: Zwar sind die Nordlichter auch im Sommer aktiv, es wird allerdings schwer bis unmöglich sie zu sehen da die Sonne nur für sehr kurze Zeit untergeht und das Restlicht immer noch ausreicht um die Polarlichter vor dem menschlichen Auge zu verstecken.

Auch auf die Tage um den Vollmond herum sollte man verzichten, dies kann man bei der Reiseplanung auch tatsächlich gut einbeziehen.

Wo sind die besten Orte in Island um Nordlichter zu sehen?

Alle Orte mit wenig künstlichem Licht sind grundsätzlich erstmal ein guter Anfang. Je höher im Norden man sich befindet, desto besser. Auch die Höhe an sich hilft ein wenig, ist aber nicht wirklich kritisch.

Wenn du nun die Landkarte aufschlägst, werden dir Orte wie Akureyri und Myvatn auffallen und diese sind tatsächlich ziemlich gute Ausgangspositionen zur Polarlichtjagd. Auf die Westfjorde eignen sich relativ gut, da hier wenig Menschen leben und man dadurch wenig künstliches Licht um sich hat. Der gesamte Norden eignet sich also generell sehr gut.

In der Region in und um Reykjavik bietet sich vor allem der Þingvellir Nationalpark an. Hier gibt es sogar Hotels die sich auf Nordlichter spezialisiert haben, wie zum Beispiel Buubble und ION. Wer direkt in der Stadt bleiben will, verringert die Chancen auf Nordlichter markant. Erst ab einer Stärke von 3-4 aufwärts hast du Chancen sie zu sehen und auch dann werden sie wesentlich schwächer erscheinen als irgendwo ohne Straßenlaternen. Solltest du von ihnen überrascht werden und hast keine Zeit mehr kurzfristig ein Auto oder eine Tour zu buchen, begebe dich am besten in die Nähe des Hafens im Westen. Dort gibt es noch ein paar relativ dunkle Ecken von denen aus man die Nordlichter schön beobachten kann.

Von Reykjavik aus werden regelmäßig geführte Northern Lights Touren gestartet. Bei diesen hast du die vermutlich höchste Wahrscheinlichkeit auf Erfolg, denn die Tourbetreiber stehen untereinander und mit verschiedenen Einheimischen an allen möglichen Lokationen im Land in Verbindung. Wenn irgendwo Nordlichter zu sehen sind, die Tourbetreiber wissen nicht nur sofort davon, sondern auch ob es noch bessere spots gibt.

Tipps von Lesern

Wie steigere ich meine Chancen auf Nordlichter / Polarlichter in Island?

Reise zu einer passenden Jahreszeit. Wie oben beschrieben sind das die Wintermonate, jeweils um die Sonnenwende herum. Also September / Oktober und März / April. Meiner Meinung nach ist der Oktober wohl die beste Wahl, aber so gezielt kann man es leider nicht wirklich sagen.

Schaue dir die Vorhersagen genau an. Der Aurora Forecast des Isländischen Wetterdienstes ist bei Islandreisen quasi meine Homepage im Browser und auf dem Smartphone. Immer im Blick und immer auf dem Laufenden. Steigt die Aktivität, beobachte tagsüber die Wolkenbildung und gleiche sie mit der Wolkenvorhersage ab. So bekommst du ein gutes Gefühl für die Genauigkeit und kannst entsprechend planen und agieren.

Fahr raus auf’s Land. Wer Nordlichter sehen will, der muss raus aus dem Lichtsmog der Städte und Orte. Raus auf’s Land heißt die Devise, weit weg von Straßenlaternen, Autolichtern und Ähnlichem. So kannst du auch schwache Nordlichter gut erkennen und die starken umso mehr genießen.

Buche eine Tour. Wenn du nur kurze Zeit auf Island bist, keinen eigenen Mietwagen hast oder dich einfach nicht andauernd selbst mit der Recherche befassen magst: Buche eine Northern Lights Tour bei einem der hiesigen Anbieter wie Extreme Iceland oder Reykjavik Excursions. Die Kosten liegen im Normalfall zwischen 50 und 100€.

Achte auf den Sonnenzyklus. Mehr etwas für die Wissenschaftler unter euch: Die Sonnenstürme folgen gewissen Zyklen und wenn man in einem Starken Bereich dieser Zyklen in Island ist, hat man höhere Chancen auf Nordlichter. Der letzte Höhepunkt war im Jahr 2013/2014 und die Laufzeit beträgt 11-12 Jahre. Derzeit hat man also gute Karten, in 2-3 Jahren weniger und in weitern 2-3 Jahren sieht es wieder ganz gut aus. 2020 wird nach dieser Theorie kein gutes Jahr für Nordlichter, lassen wir uns mal überraschen.

Was sind Nordlichter / Polarlichter?

Kurz und bündig: Die Aurora Borealis entsteht wenn Teilchen die von der Sonne ausgestoßen werden mit Luftteilchen in unsere Atmosphäre kollidieren.

Die etwas längere Antwort: Das fluoreszierende Licht der Aurora Borealis stammt von geladenem Plasma, welches die Sonne mit einer Geschwindigkeit von mehreren hundert Kilometern pro Sekunde in Richtung Erde schleudert. Dieses braucht etwa 72 Stunden um bis zu unserem Planeten zu gelangen und wird dann von der Magnetosphäre der Erde abgelenkt. Hierbei entstehen Bahnen die sich längs der Erde an uns vorbei ziehen, manche von ihnen um den gesamten Erdball.

Wenn das Plasma ausreichend stark ist und bis in die Atmosphäre vorstoßen kann, ‚kitzelt‘ es die dort spärlich vorhandenen Gase (Stickstoff und Sauerstoff) und diese fangen dann an zu kichern und leuchten.

Polarlichter gibt es an vielen, vielen Orten. Neben den sehr offensichtlichen wie Island, Finland und Schweden gibt es auch auf dem Jupiter und dem Saturn Polarlichter. Außerdem konnte man 2013 relativ starke Nordlichter über dem Himmel von Berlin bestaunen (Das deckt sich wiederum mit der Theorie des Sonnenzyklus).

Welche Farben haben die Nordlichter über Island?

Meistens Grün.

Die Farbe der Nordlichter hängt von den ‚gekitzelten‘ Gasen ab. Die grünen Nordlichter, welche man zumeist sieht und von Videos und Bildern kennt, stammen von Sauerstoffteilchen die mit anderen Sauerstoffteilchen kollidieren. Das passiert in etwa 100km Höhe, also etwa 6-10 mal so hoch wie ein Flugzeug unterwegs ist.

Wer viel Glück hat, kann zusehen wie Sauerstoffteilchen in etwa 200km Höhe beschossen werden: Wenn sie nicht aneinander knallen sondern sie von dort rotes Licht aus. Das ist nur sehr selten zu beobachten, nur wenige Male im Jahr.

Wer so richtig viel Glück hat, sieht Stickstoffteilchen unter Beschuss. Das äußert sich in violettem Licht und du das mal beobachten durftest ist dir mein Neid gewiss. Dieses Schauspiel bleibt nur ganz Wenigen vorbehalten, selbst einige Isländer haben nie andere Farben als Grün und Rot gesehen.

Wie nimmt das menschliche Auge Nordlichter wahr?

Immer unterschiedlich. Die einen sehen ein tiefes Grün, die anderen ein helles Grün. Beim einen sind die Farben verlaufen und beim Anderen sind sie klar. Das liegt insbesondere an der Dunkelheit, du kennst das sicher daher das manche Menschen gut im Dunkeln Auto fahren können und andere nicht. Insbesondere die Wahrnehmung von Farben ist in Dunkelheit sehr individuell.

Nordlichter können außerdem viele verschiedene Formen annehmen. Am häufigsten sind Bänder zu sehen, aber es gibt auch kreisförmige Formationen (Corona) sowie Vorhänge und Bögen. Meist endet ein Nordlicht wenn es die Form wechselt, also aus einem Band bspw. ein Bogen wird.

Wie fotografiert man Nordlichter am besten?

Zuerst mal ein Realitätsabgleich (Jetzt zum nächsten Absatz springen wenn du zart besaitet bist…)

Die meisten Fotos und Videos von Nordlichtern im Internet sind sehr übertrieben nachbearbeitet und vermitteln einen vollkommen falschen Eindruck vom Wirklichen Sachverhalt!
There, I said it! Wenn du also vor deinem Islandurlaub eines nicht tun solltest: Fotos oder Videos von irgendwas anschauen, insbesondere nicht Nordlichter.

Ich mache mal damit weiter, wie es nicht geht. Du kannst weder mit deinem Smartphone noch mit deiner GoPro Aufnahmen von Nordlichtern machen. Zumindest keine die sehenswert sind. Ich habe es mal getestet und dabei heraus kamen schwarze Bilder auf denen ich mit Photoshop nach andersfarbigen Inhalten filtern musste. Uncool!

Du brauchst eine gute Kamera mit einem großen Fotosensor und ein Objektiv das viel, viel Licht herein lässt. Dazu empfiehlt sich unbedingt ein Stativ und ggf. auch eine Fernbedienung.

Verwendest du eine Spiegelreflexkamera, kannst du mit den Einstellungen wie folgt experimentieren: ISO level von 400 bis 1600 sind üblich, da kommt es dann auf die Belichtungszeit an. Autofokus bringt dir nichts, es gilt manuell zu fokussieren, dazu am besten den Fokus auf unendlich stellen und dann ein kleines Stück zurück bis alles passt. Hier werden Zeiten zwischen 4 und 30 Sekunden empfohlen. Am besten du betätigst den Auslöser per Fernauslöser oder lässt automatisch auslösen, während die Kamera stabil und unberührt auf ihrem Stativ schlummert.

Danach heißt es ausprobieren: Einfach mit der Belichtungszeit, ISO und Fokus herumspielen bis die Ergebnisse perfekt sind. Dabei immer die Bilder auch in voller Größe betrachten, denn auf dem kleinen Display der Kamera gehen Unschärfen bei skalierten Bildern verloren.

Und nochmal: Nicht enttäuscht sein. Was aus deiner Kamera raus kommt wird nicht so aussehen wie die Nordlichtbilder die du aus dem Internet kennst. Darum geht es auch nicht, finde ich. Inka hat das auch nochmal sehr schön aufgeschrieben und auch im Island Podcast haben wir auch nochmal zum Thema Nordlichter gesprochen.

 

 

Wo finde ich eine Vorhersage für Nordlichter in Island?

Allem voran: In der Island App findest du eine Karte mit Sichtungen und kannst dort auch selbst Sichtungen eintragen. Außerdem kannst du dich benachrichtigen lassen, wenn in einer gewissen Entfernung von dir welche gesichtet wurden. Einfacher und sicherer geht es nicht!

Der Aurora forecast for Iceland bietet dir einen tollen service auf dem du nachschauen kannst wie aktiv die Aurora gerade ist bzw. in den kommenden fünf tagen seid wird. Die Daten sind relativ genau und auf 1-2 Tage auch ein wirklich guter Indikator dafür wie sich die Aurora verhält und entwickelt.

Auf einer Skala von 0 bis 9 wird dir die Stärke der Aktivität angezeigt, wobei 0 gar keine und 9 eine sehr starke Aktivität ist. Bei einer Stärke von 0-3 wirst du selbst im Hochland und bei freiem Himmel nur wenig oder gar nichts sehen. Bei einer Stärke von 4-7 hast du in dunklen Gegenden in Städten – zum Beispiel im Hafen von Reykjavik –  ganz gute Chancen während im Hochland bei diesem Aktivitätslevel schon eine ganz ordentliche Show geboten sein kann. Alles was über die 7 hinaus geht ist wie ein 6er im Lotto für Nordlichtfans. Da heißt es raus aus der Hütte und Augen zum Himmel!

Nun zum unangenehmen Teil dieser Aurora Aussicht: Die Wolken. Auf dem Bild in der Mitte der Seite seht ihr eine Karte von Island auf welcher die Wolkendichte angezeigt wird. Sehr oft hört hier der theoretische Spaß leider schon auf: Selbst bei hoher Aktivität (5+) wirst du leider nichts sehen, wenn Wolken am Himmel stehen. Selbst Wolken die man tagsüber kaum wahrnimmt, werden Abends zur Sichtsperre. Wenn deine Aurora-Jagd an irgendwas scheitert, dann höchstwahrscheinlich an Wolken.