Westfjorde Islands: Tipps für eine Rundreise mit dem Auto

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Die Westfjorde (Vestfirðir) Islands sind eines der letzten Gebiete des Landes, in denen man das Land von seiner rauen und natürlichen Seite kennen lernen kann. Hoch im Norden, in unmittelbarer Nähe des Polarkreis finden sich die dutzenden kleinen und großen Fjorde, die der Region ihren Namen geben.

Ich war im Oktober 2017, bei meiner sechsten oder siebten Islandreise zum ersten Mal hier: Die Westfjorde sind keine Region um mal eben rein zu schauen und meiner Meinung nach auch nicht unbedingt für Island-Neulinge geeignet: Die Straßen können ungemütlich und das Wetter tückisch sein.

Von dieser Reise möchte ich dir hier nun ausführlich berichten und dir so bei der Vorbereitung helfen.

Los geht’s…

 

 

Sehenswürdigkeiten in den Westfjorden

Die Westfjorde sind schon eine Sehenswürdigkeit in sich: Sobald man über die Straßen 60 oder 68 den Süden bzw. Norden der Westfjorde betritt, wird einem klar was für ein Juwel diese kleine Region des Landes ist. Die unmittelbare Nähe des Wassers beruhigt einen und die im Laufe der Fahrt immer weiter ansteigenden Berge geben einem das Gefühl von Unbedeutsamkeit.

Neben den Fjorden selbst, der Landschaft und dem Meer hat die Region jedoch noch weitere Sehenswürdigkeiten zu bieten. Diese alle zu erkunden würde Wochen, wenn nicht Monate dauern und meine Rundreise dauerte nur ein paar Tage: Hier gibt es also nur einen klitzekleinen Ausschnitt. Meine persönlichen Highlights.

 

Wasserfälle in den Westfjorden

Ich benutze hier den Plural, weil es wirklich viele gibt. An jeder Ecke gibt es im Grunde einen Wasserfall, manche groß und manche klein. Es lohnt sich vermutlich nicht an jedem anzuhalten, aber ein bisschen langsamer fahren kann man schon.

Am Ende des Tages braucht man aber nicht drumherum zu reden: Es gibt nur einen Wasserfall in Island den man in den Westfjorden unbedingt sehen will: Den donnernden, dröhnenden, tobenden Dynjandi. Das ist tatsächlich die Übersetzung seines Namens, denn schon von weitem kann man ihn hören und sehen. Er selbst bildet dabei den größten in einer Reihe von Wasserfällen an der kleinen Ecke in der Bucht.

Der Dynjandi ist eine Erscheinung, die man zwar beschreiben kann, aber Worte können das Erlebnis nur unzureichend wiedergeben: Auf einer Breit von knapp 30m stürzt sich der Fluss in die Tiefe und fächert sich dabei auf stolze 60m auf. Unzählige kleine Stufen zerteilen die kleinen Wasserströme immer feiner und sammeln sich zu Fuße des Berges in einem großen Becken. Von hier aus sammelt sich das Wasser wieder, stolpert die vielen kleinen Wasserfälle hinab um dann wenige hundert Meter weiter wieder im Meer zu verschwinden.

 

Dynjandi - Der größte Wasserfall in den Westfjorden Islands

Dynjandi – Der größte Wasserfall in den Westfjorden Islands

 

Auf Google Maps wird hier ein Campingplatz angezeigt: Ein Reisender erzählte mir, dieser sei nicht existent und eine Aufseherin habe ihn am Morgen darauf hingewiesen hier nicht campen zu dürfen. Das gesamte Gebiet steht definitiv unter Naturschutz, daher bietet es sich ggf. an sein Zelt woanders aufzuschlagen bzw. den Van woanders zu parken.

Ein weiteres kleines Highlight begegnete mir ein wenig später an diesem Tag an der Straße 63: Dieser kleine Wasserfall hat bisher noch keinen Namen (den ich zuweisen könnte, auf Google Maps hat jemand fälschlicherweise ein Foto vom Dynjandi hierzu eingestellt). Der hübsche kleine Wasserfall erinnert mich ein wenig an den Seljalandsfoss und das vor allem wegen der Farbe des Wassers: Direkt am Fuße ist es hellblau durch die ganzen Luftblasen und direkt danach wird es ziemlich dunkel, durch den relativ flachen Verlauf. Wer etwas abenteuerlustig ist, kann auch hinter den Wasserfall laufen bzw. direkt daneben. Vorsicht, es ist glatt und kann du wirst nass!

 

Latrar Air Station: Eine verlassene NATO Radarstation in den Westfjorden

Die Latrar Air Station wurde 1992 auf dem Berg Bolafjall in der Nähe von Ísafjörður erbaut und war nur 14 Jahre in Betrieb, bis sie im Jahr 2006 wieder abgeschaltet wurde.

Das System dient vor allem dazu illegalen Handel von Drogen zu überwachen bzw. zu unterbinden und wurde im amerikanisch-kanadischen Nord-Warnsysttem verwendet. Die Anlage wurde durch eine neue Station nahe dem Flughafen in Keflavik abgelöst, ist aber noch in bestem Zustand und eine tolle Kulisse für Fotos.

Von hier aus hat man atemberaubende Aussichten über den Bergrücken, in den Fjord und bis weit auf’s Meer hinaus. Die hier brütenden Vögel sind wahre Akrobaten und vollführen oft tolle Flugmanöver in den kräftigen Winden rund um die Klippen.

Latrar Air Station: Eine verlassene NATO Radarstation in den Westfjorden

Latrar Air Station: Eine verlassene NATO Radarstation in den Westfjorden

Polarfüchse: Das arctic fox centre in den Westfjorden

Die Westfjorde sind die Heimat von Islands einzigem indogenen Landsäugetier: Dem Polarfuchs. Wer mehr über die Tiere erfahren will ist gut beraten dem Polarfuchscenter in Súðavík einen Besuch abzustatten. Ich habe dort mit Midge gesprochen, welcher das Centre managed und viele spannende Dinge über die kleinen Fellknäule erfahren. Die Ausstellung ist klein aber vollgepackt mit interessanten Details und zum Abschluss kann man die zwei verbliebenen Polarfüchse im Außengehege anschauen.

Die beiden sind und bleiben dort, weil sie leider von einer Gesetzesänderung betroffen waren, die es heute verbietet Tiere die von Hand aufgezogen wurden wieder in die freie Wildbahn zu entlassen.

Polarfüchse: Das arctic fox centre in den Westfjorden

Polarfüchse: Das arctic fox centre in den Westfjorden

 

Rauðisandur – Einsamer Strand in den Westfjorden Islands

Der kleine Strand Rauðisandur liegt ganz unten am Südlichsten Zipfel der Westfjorde und zwar am Ende einer steinigen und ziemlich holprigen Piste (Straße Nummer 614). Die fahrt dauert eine Weile und wer leicht Seekrank wird, sollte sich gut anschnallen. Einmal angekommen, lohnt sich das Abenteuer jedoch denn der Ausblick über den Fjord und auf den wunderschönen Atlantik entschädigt für die leichten Strapazen. Hier kann man wundervoll spazieren gehen und die Ruhe genießen. Hierher verschlägt es nämlich relativ wenige Besucher und entsprechend wenig ist hier los.

Außer einer kleinen Kirche und ein paar Farmhäusern gibt es hier nicht viel. Das ist auch gut so, finden wir und empfehlen einen langen Spaziergang entlang der Küste. Leider etwas zu weit entfernt für eine Wanderung liegt etwas westlich von hier der Látrabjarg.

 

Látrabjarg – Der Puffinberg

Auf einer Länge von knapp 15km und über 400m hoch ist der Látrabjarg eine der größten Klippen für Brutvögel die es in Europa gibt. Hier nisten im Sommer hunderte, wenn nicht tausende Vögel. Vor allem Puffins, die sich hier so gut an die Menschen gewöhnt haben dass man ihnen durchaus zu Nahe kommen kann. So kann man tolle Fotos von den kleinen Knubbeln machen ohne ein riesige Zoom-Objektiv mitbringen zu müssen.

Die Klippen sind relativ leicht über die Straße Nummer 612 zu erreichen, die Fahrt sollte man allerdings nicht unterschätzen weil die Strecke doch relativ lang ist. Der Zustand der Straße ist OK, aber man muss eben langsam und vorsichtig fahren. Empfehlenswert ist sich zu überlegen ob man lieber den Strand Rauðisandur oder die Klippen sehen möchte und entsprechend Zeit einzuplanen.

 

Das Schiffswrack der Garðar BA 64 in Island

Das Schiffswrack der Garðar BA 64 ist ein beliebtes Fotomotiv in den Westfjorden, vergleichbar mit dem Flugzweugwrack im Süden von Island. Das älteste Stahlschiff Islands liegt nun seit einigen Jahren hier auf dem Strand und verrostet vor sich hin. Die Verbindung aus Motor und Segeln machte das Schiff zu seinen besten Zeiten, ungefähr zur gleichen Zeit wie die Titanic, zu einem der besten Schiffe für den Walfang.

Mit etwas Vorsicht kann man sich das Schiff auch von oben und Innen anschauen. Der Geruch von Motoröl liegt einem noch in der Nase und rostige Hände gibt es ebenfalls kostenfrei dazu.

 

Die schönsten Orte und Städte in den Westfjorden

Die Westfjorde sind relativ dünn besiedelt und viele Orte oder gar Städte gibt es definitiv nicht. Das macht für mich den Charme aus und es hat mich in diese Region gezogen, weil ich es liebe der Zivilisation zumindest ein wenig zu entfliehen.

Hier oben ist das Leben noch langsamer, einfacher und entspannter als im südlichen Westen. Es gibt jedoch auch hier oben ein paar Gebiete in denen sich Orte oder kleine Städte gebildet haben sowie Regionen die man kennen sollte.

 

Ísafjörður: Die größte “Stadt” in den Westfjorden

Für die meisten wird Ísafjörður das Ziel der Reise in den Nord-Westen sein, die kleine Stadt ist quasi das Zentrum der Region.

In der kleinen Gemeinde leben knapp 4000 Menschen, sie arbeiten größtenteils in der Fischerei oder in der Bildung. Es gibt große Fischereiunternehmen, die hauptsächlich Shrimps fangen. Außerdem gibt es hier eine Musikschule sowie eine Universität. An dieser kann man vor allem Meeres- und Küstenmanagement studieren. Ich habe mich mit Studenten unterhalten und will an dieser Stelle nochmal sagen: Wenn du gerade studierst und/oder das vor hast, denke mal über ein Auslandssemester nach und schau ob Island etwas für dich bietet.

In der Stadt sind auch verschiedene Touranbieter ansässig, welche von Kayaking über Whale Watching, Reiten, Mountainbiking bis hin zum Wandern wirklich für jeden etwas anbieten können. Von hier aus kann man auch Ausflüge nach Hornstrandir buchen / unternehmen.

 

Sandafell: Ein kleiner Berg mit großer Aussicht

Auf dem Weg zum Dynjandi habe ich noch am Sandafell gehalten und bin kurz auf die Spitze hin aufgestiegen. Bei mir war es am Abend, bei wolkenverhangenem Himmel, aber ich wette bei guten Wetter kann man hier wunderschöne Sonnenauf- oder Untergänge bestaunen!

Man kann relativ weit hinauf fahren und braucht dann nur 5–10 Minuten auf die Spitze, diesen Stop kann man also auch auf der Durchreise noch mit einbauen.

 

Hornstrandir: Das Naturschutzgebiet der Westfjorde

Das Naturschutzgebiet Hornstrandir erstreckt sich über große Teile der nördlichsten Landzunge Islands und ist damit das von der Zivilisation wohl am weitesten entfernte Gebiet Islands. Hier gibt es vor allem Natur, davon aber ganz viel!

Ich habe es leider nicht dorthin geschafft, es bleibt also ein Eintrag auf meiner Todo-Liste für eine kommende Reise.

Das könnte daran liegen, dass es hierher praktisch keine Straßen gibt. Mit dem Auto kann man das Gebiet m.W. nach nicht erreichen, wer hierher kommen möchte muss eine kurze Bootsfahrt über den Fjord in Kauf nehmen und kann dann zu Fuß auf Erkundungstour begeben.

Hier oben hast du die wohl größten Chancen auf einen wild lebenden Polarfuchs zu treffen, denn diese haben sich Hornstrandir zum zu Hause erwählt. Verschiedene Vogelarten halten sich hier ebenfalls regelmäßig auf, das Fernglas also nicht vergessen!

Es gibt ein paar Zeltplätze, zwei davon haben ein WC.

 

Angeln und Tauchen in den Westfjorden

Die wohl größte Gruppe an Besuchern sind, zu meiner Überraschung, zum Angeln hier. Hier oben scheint ein besonderer Ort für Angler aus aller Welt zu sein und mein Gastgeber Einar erzählte von Touristen die seit Jahrzehnten regelmäßig für mehrere Wochen sein Haus anmieten um von hier aus auf Entdeckungsreise zu gehen. Ich bin kein Angler und habe nicht schlecht gestaunt als Einar mit fünf riesigen Dorschen nach Hause kam, welche er noch am gleichen Abend gekocht, gebraten und mit mir sowie einer Freundin geteilt hat. Ich bekam ein Gefühl dafür, was an dem Sport so schön ist, auch als wir am nächsten Tag ein paar Stunden mit seinem kleinen Boot in den Fjord fuhren und die Stille auf dem Meer genossen.

Tauchen ist schon mehr mein Sport und darum freute ich mich sehr zu erfahren dass es hier oben einige tolle Divespots gibt. Ich kontaktierte also Simbi, der ein Tauchcenter in den Westfjorden betreibt und konnte ihn einen Tag beim Jakobsmuscheln-Sammeln begleiten. Neben ein paar Fischen, vielen Muscheln und einer Qualle gibt es hier vor allem einen Walfriedhof zu sehen und einen fantastischen drift-dive der einen quasi direkt in einen hotpot spült: Man glaubt wirklich nicht was für ein Eldorado Island zum Tauchen wirklich ist!

 

Camping und Wandern in den Westfjorden

Zum Wandern in den Westfjorden bietet sich wohl vor allem Hornstrandir an. Hier oben gibt es keine befestigten Straßen und entsprechend hat man die gesamte Gegend für sich. Campingplätze gibt es ausreichen, die Island App hilft dir sie zu finden.

Hier oben ist die Natur noch relativ unberührt und ich möchte einen großen Beitrag dazu leisten, dass dies so bleibt. Also, hier der erhobene Zeigefinger: Bitte campe hier rücksichtsvoll und immer mit dem Ziel ein nachhaltiger Tourist in Island zu sein! Wer die Campingplätze an der Südküste sieht, weiß was ich meine. Bitte hilf dabei, dass es hier oben schön bleibt!

 

Anreise nach Island und zu den Westfjorden

Angereist bin ich mit dem Flugzeug zum Flughafen in Keflavik. Mein Flug ging mit WowAir* von Frankfurt aus und dauerte etwa dreieinhalb Stunden. WowAir ist üblicherweise der günstigste Flug (heute Play) und deckt alle wichtigen Destinationen in Deutschland ab. Eine tolle Option Island zu besuchen sind auch die Island Stopover Angebote bei denen man bei Reisen nach bspw. Nordamerika einen kurzen Besuch in Island einbauen kann.

Für die Weiterreise habe ich mich dann für das Auto entschieden, weil ich nach den Westfjorden noch andere Teile Islands bereisen wollte und es einfach mag flexibel zu sein. Alternativ kann man mit dem Bus oder auch mit einem Inlandsflug nach Norden reisen.

 

Mit dem Auto in den Westfjorden

Für mich war klar, dass ich mit einem Mietwagen in die Westfjorde wollte, denn ich liebe es Gegenden auf eigene Faust zu erkunden und dabei maximale Flexibilität zu haben. Ich habe also bei Guide to Iceland* verschiedene Anbieter verglichen. Hier werden größtenteils lokale und eher kleinere Anbieter gelistet um die lokalen Unternehmer zu unterstützen und man bekommt eine Preisgarantie: Findest du das gleiche Auto bei einem anderen Anbieter günstiger, wird der Preis entsprechend angepasst.

 

Tunnel, Schotterpisten und F-Straßen in den Westfjorden

Für meine Reise war klar, dass ein Fahrzeug mit ordentlicher Bodenfreiheit und Allrad her musste: Ich wollte zum einen sich rund komfortabel unterwegs sein und zum Anderen wollte ich mir die Option offen halten F-Straßen zu befahren.

Der größte Teil meiner Reise fand auf asphaltierten Straßen statt, von Reykjavík bis Ísafjörður fährt man durchgängig auf bestem Asphalt. Im Umland von Ísafjörður ist das ähnlich, mit einigen kleinen Ausnahmen.

Interessant wurde es dann, als ich die ersten Ausfahrten in Richtung Süden machte, zum Beispiel zum Dynjandi Wasserfall, zum Schiffswrack Garðar BA 64 oder zu den Klippen von Látrabjarg. Insbesondere die Strecke zum Dynjandi ist nicht asphaltiert und war an einigen Stellen auch in recht schlechtem Zustand, 2–3 mal bin ich ausgestiegen und habe größere Steine auf die Seite geschoben damit andere nicht darüber fahren. Viele kleine und auch mal größere Schlaglöcher sorgen dafür, dass man im Auto ordentlich durchgeschüttelt wird. Zu diesem Zeitpunkt war ich dann wirklich froh mit einem Geländewagen in Island* unterwegs zu sein und entsprechend entspannt reisen zu können.

Gretchenfrage: Brauche ich das? Ich finde ja, aber offiziell ist das nicht. Mir taten all die leid, die in einem normalen Fahrzeug oder gar einem Campervan vor oder hinter mir herjuckelten und ich halte es auch für gefährlich, denn ein übersehenes Schlagloch kann an einem Kleinwagen viel größeren Schaden anrichten als an einem ordentlich gefederten SUV. Einzig das Befahren von F-Straßen ist offiziell verboten, alles andere unterliegt deiner persönlichen Einschätzung.

Ich sage es trotzdem nochmal: In den Westfjorden bitte nicht am Auto sparen! Auch nicht an der Versicherung: Nehmt das große Paket und vor allem die “Sand- and ash” Option, denn Lackschäden oder Scheibenbrüche durch herumfliegende Steine sind absolut keine Seltenheit!

F-Straßen bin ich übrigens auf meiner gesamten Reise dann doch nicht gefahren, einfach weil es nicht notwendig für meine Route war.

 

Mit dem Bus in die Westfjorde

In die Westfjorde fahren auch Busse aus Reykjavík und anderen Orten in Island. Ich habe mich mit dem Thema nicht weiter beschäftigen können, es hätte einfach den Rahmen der Recherche gesprengt. Es gibt wohl 2 Busverbindungen pro Tag im Sommer, im Winter fahren die Busse m.W. nach nicht.

 

Inlandsflüge in die Westfjorde

Eine sehr interessante Option, die ich selbst gar nicht so auf dem Schirm hatte: Man kann mit dem Flugzeug vom Flughafen in Reykjavík (Nicht KEF!) nach Ísafjörður fliegen. Das kostet wohl um die 100€ und dauert nicht länger als 1–2 Stunden, man ist also wesentlich schneller und entspannter hier oben als bspw. mit dem Auto.

Für mich wäre das zwar keine Option gewesen, da ich mich auf den Road Trip gefreut habe, aber wer z.B. zum Angeln hier ist oder bspw. von Ísafjörður aus Tagestouren unternehmen möchte ist sicher gut beraten diese Option genauer anzuschauen. Man kann z.B. auch erst in Ísafjörður einen Mietwagen für die Westfjorde buchen.

 

Eine Karte mit meiner Route durch die Westfjorde

Auf der folgenden Karte findet ihr die Route, welche ich durch die Westfjorde genommen habe und auch die einzelnen Orte die ich besucht habe.

Los ging meine Reise in Reykjavík, von dort aus nach Ísafjörður bzw. Flateyri und von dort aus dann jeweils in Tagestouren zu den verschiedenen Sehenswürdigkeiten.

 

Heiße Quellen in den Westfjorden

Ich werde hier nur wenige heißen Quellen benennen sondern biete alternativ ein paar gut ausgesuchte Schwimmbäder an. Ich habe auf dieser Reise gesehen, wie die heißen Quellen im Süden des Landes aussehen und es würde mich wundern, wenn du hier überhaupt noch hin willst. Also überlasse ich es dir: Finden kannst du die heißen Quellen mit ein wenig Recherche leicht, ob und wie du dorthin fährst überlasse ich dir.

Ich habe auf Empfehlung einiger Isländer wenige heiße Quellen besucht und mich dann entschieden langfristig lieber Schwimmbäder zu nutzen, die nicht nur besser ausgestattet für eine größere Anzahl von Menschen sind sondern auch nachhaltig gut für die Natur und für das ganze Land.

Bitte: Solltest du heiße Quellen anfahren und dort Müll vorfinden oder Menschen die sich daneben benehmen, mach bitte das Gleiche wie ich: Nimm 1–2 Sachen die herumliegen mit und entsorge sie und weise die Menschen darauf hin wie man sich hier benehmen sollte. Dein Karma-Konto bekommt Extra-Punkte! 🙂

 

Pollurinn Hotpot in Tálknafjörður

Ich war im Herbst hier und die Becken waren relativ dreckig, im Sommer werden sie wohl besser gepflegt. Dieser kleine Hotpot ist mit einer Umkleidekabine ausgestattet und das Wasser fließt ständig aus der nahen heißen Quelle durch die kleinen Becken. So dürfte sich der Pool schnell regenerieren.

Von hier aus hat man eine unglaubliche Aussicht in den nahe gelegenen Fjord und auf die Berge im Hintergrund. Ein echter Geheimtipp, seid also bitte besonders Rücksichtsvoll 🙂

 

Patreksfjörður, das schönste Schwimmbad der Reise

Das Schwimmbad von Patreksfjörður liegt auf einem kleinen Hügel und man hat eine unglaubliche Aussicht auf den Fjord direkt vor einem. Ein kleines Becken mit vier Bahnen sowie zwei Hotspots vermitteln ein schönes Gefühl von Größe bzw. Kleinheit und direkt nebenan liegt die Sporthalle in der die Schulkinder ggf. ihre Turnübungen machen. Der Eintritt liegt bei etwa 900ISK.

 

Flateyri Pool: Zu Fuße der Berge baden

Der kleine Ort Flateyri war meine Heimat während ich in den Westfjorden war, von hier aus habe ich meine Tagestouren unternommen. Neben einer unglaublichen Geschichte, eine Lawine verschüttete große Teile des Ortes vor einigen Jahren, hat der kleine Ort auch einen schönen kleinen Pool zu bieten.

Man liegt in einem flachen Becken und hat eine tolle Aussicht auf die umliegenden Berge. Die Öffnungszeiten variieren, also am besten vorher kurz informieren bis wann der Pool offen ist. Abends hat man generell eher schlechte Karten.

 

Winter in den Westfjorden

Ein spannendes Thema: Wie ist es im Winter in den Westfjorden?

Ich kann ja nicht aus Erfahrung sprechen, aber ich habe drei Monate im Winter in Þingvellir gearbeitet sowie einige Island-Reisen im Winter hinter mir: Ich würde im Winter nicht in die Westfjorde reisen bzw. nur mit schwerem Gerät und extrem guter Vorbereitung. Darunter verstehe ich einen richtigen Geländewagen wie einen Landrover oder einen Superjeep. Ich habe einen strammen Winter in der Westregion miterlebt und will mir gar nicht ausmalen wie es dort oben zugeht, wenn im Süd-Westen schon Straßen geschlossen werden und die Sichtweiten teilweise kürzer als eine Armlänge werden.

Ich sprach mit meinem Gastgeber über das Thema der, typisch isländisch, meinte das sei gar nicht so schlimm. Gleichzeitig erwähnte er im Winter immer Vorräte im Haus zu haben, falls er es mal ein paar Tage nicht verlassen könne. Wer dort aufgewachsen ist kennt das also. Wer zu Besuch hier ist, wäre mit dieser Situation ggf. vollkommen überfordert.

Ich rate also definitiv davon ab im Winter in die Westfjorde zu reisen, wenn du nicht genau weißt was du tust. Bist du jetzt unsicher: Dann plane lieber um 😉

 

Fazit: Islands Westfjorde

Islands Westfjorde sind eine der letzten Gegenden die Island, vielleicht die ganze Welt in dieser Form zu bieten hat: Abgelegen, natürlich und fragil. Deshalb sage ich jetzt etwas, das man vielleicht nicht so erwarten würde: Fahre bitte nicht hierher!

Bitte nicht, wenn du ein Abenteuer erleben willst. Bitte nicht, wenn du zum ersten Mal in Island bist. Bitte nicht, wenn du Fotos brauchst auf denen du wie ein Abenteurer wirkst.

All das, kannst du im Süden und Westen des Landes erleben und diese Gegenden sind bestens dafür gerüstet mit der Anzahl von Besuchern zurecht zu kommen, die jedes Jahr ihren weg hierher finden. Die Westfjorde sind das nicht.

Aber komm in die Westfjorde, wenn du ein verantwortungsvoller und nachhaltig ausgerichteter Reisender bist. Wenn dir Ruhe lieber als Abenteuer ist und wenn Stille dir mehr gibt als Aufregung. Dann bist du hier richtig, dann tun die Westfjorde dir gut und du den Westfjorden!

Viel Spaß in Island!

 

* Offenlegung: WowAir hat uns bei dieser Reise unterstützt indem sie den Flug bezahlt haben. Guide to Iceland hat uns bei der Reise durch einen gestellten Mietwagen unterstützt. Unsere Meinung und Darstellung bleibt davon unbeeinflusst.

34 Kommentare

  1. Robert sagt

    Hallo Zusammen!
    Frage bitte lesen!
    Kurz und knapp: Sehr guter Bericht!

    Wir reißen zu 6. in die Westfjorde im Juli. Aktuell haben wir einen 6m langen Ford Transit da wir ein Fahrzeug wollten. Jetzt steht natürlich die Frage aus, ob wir mit diesem Fahrzeug auf den Westfjorden überhaupt eine Chance haben. Könnt ihr mir aus der Erfahrung sagen ob die Strecke die ihr gefahren seid, mit diesem Fahrzeug möglich sind?!

    Vielen Dank für eure Hilfe!

    Viele Grüße
    Robert

  2. Jens Brückner sagt

    Hallo,
    wir ( 2 Erw. + 20 j. Kind ) waren um den 21. Juni in den Westfjörden. Leider nur 6 Tage. Aber es war ein Traumurlaub.
    Wir haben einen Teil dieser tollen Reisebeschreibung ebenfalls erlebt. Es stimmt alles.
    Spart nicht am Fahrzeug. Wir sind F-Straßen gefahren. Man braucht nicht nur Allrad sondern auch Reifen mit 4 – 5 cm Profil. Manche Steine sind wie Messer ( schrägstehender Basalt ). Das Auto war vom Durchschütteln geschafft, wir auch. Am 21. Juni waren wir zur Sommersonnenwende in Hesterey ( ohne Auto ) und hatten mit den Isländern ein wunderschönes Feuer am Fjord und ihre Musik.
    Hnjötur und Heydalur mit Bad & HotPod kamen als tolle Orte dazu. Nicht nur tolle Landschaft auch tolle Menschen. Und mit dem Isländisch, welches unsere Tochter im Vorfeld lernte, gingen noch viel mehr Türen auf. Wir kommen wieder hierher, dann auch drei Wochen.
    Wer die Möglichkeit hat, auch der Nationalfeiertag ( 17.6. ) in Rekjavik ist sehr toll und nicht so langatmig wie in D.
    Unsere erste Reise war 1993 nach Island, nur 200.000 Touristen im Jahr. Da waren noch die großen Touristengebiete ebenfalls noch menschenleer.
    Vielen Dank für diesen Bericht ! Leider stieß ich erst nach unserer Reise drauf.

  3. Martina sagt

    Warum soll man nicht bei der ersten Islandreise in die Westfjorde fahren?
    Wir (2 Ew + 1 Teen) waren vor drei Wochen zum ersten mal für drei Wochen auf der Insel und haben uns ganz bewusst für eine Woche Westfjorde entschieden. Unsere Zeit auf dem einzig verbliebenen Hof am Ende des Önundarfjörður war ganz toll, und wir haben einige wunderschöne Ausflüge im nördlichen Teil gemacht (bis zum Dynjandi). Und das Essen im Tjöruhúsið in Isafjördur wird uns sicher noch lange in bester Erinnerung bleiben, das Preis-Leistungsverhältnis stimmt dort auf jeden Fall. Und das Schwimmbad in Flateyri können wir auch empfehlen.
    Das nächste Mal ist dann der südliche Teil dran.

  4. Heidemarie Gniesmer sagt

    Schon 6 x besuchte ich Island, Überwiegend hielt ich mich in den Westfjorden auf. Eine herrliche Gegend mit sauberer Luft, aber das ist in ganz Island so. Noch ein Hinweis: Die Flugzeit von Reykjavik nach Isafjördur dauert nur 40 Minuten! Mit dem Auto ist man ca. 6 Stunden unterwegs. Im letzten Sommer kostete ein Flug hin und zurück etwa 260 EURO. In eine kleine Maschine von Iclandair passen auch nur 30 Menschen. Daher der hohe Preis. Ich empfehle die erste Tour gen Norden mit dem Auto und die nächste Tour mit dem Flugzeug. Und unbedingt das sehr gepflegte Thermalbad Krossness an der Straße 643 besuchen. Hier endet die Straße, und der Polarkreis ist zum Greifen nahe.

    • Hallo Heidemarie,

      wow, schon sechs mal. Toll! 🙂

      Krossneslaug steht bei mir auch noch auf der Liste und muss einer der letzten Orte sein, die wirklich wenig Touristen zu sehen bekommen. Liegt ja auch nicht gerade auf dem Weg, wenn man z.B. nach Isafjördur möchte.

      Danke für dein Feedback 🙂

    • Ines sagt

      Hallo Marc,
      tolle Informationen über die wunderschöne Insel. Auch die Tauchinfos sind Klasse!
      Wir wollen Ende der Woche dorthin und die Westfjorde und Snaefellsness erkunden. Zu den Westfjorden bin ich jetzt auf den letzten Drücker etwas unsicher geworden, wir haben nur einen Polo o.ä. gebucht. Von Reykjavik über Holmavik nach Isafjordur sollte das ja gut gehen, unser Plan war dann auch weiter in den Süden nach Latrabjarg, Melines und zur Fähre zu fahren. Ich habe gelesen, dass die Straße jetzt durch einen Tunnel entschärft wurde. Hast Du dazu Erfahrungen? Sollten wir lieber Plan B nehmen und nur bis Isafjordur und den gleichen Weg zurück nehmen?
      Ich würde mich über eine Antwort sehr freuen.
      Liebe Grüße
      Ines

  5. Hi … toller Artikel, den ich in jedem Punkt unterschreibe. Und eiglt.hast du recht – bitte bleibt alle weg 🙂 Das war bz.ist für mich die schönste Ecke der Insel die ich bisher gesehen habe auf den fünf Reisen, man kann nur hoffen das auch weiterhin 95% aller Touristen nicht dort hin abbiegen. Ich würde den Artikel sehr gerne verlinken bei mir im Reisebericht über die Westfjorde von Juni diesen Jahres, du kannst ja mal kurz Bescheid geben ob das in Ordnung gehen würde !?

    Viele Grüße,
    Andreas

  6. M.lenart sagt

    Bester Asphalt“ ist ja nun bisschen übertrieben😀Habe die Tour in etwa Ende Mai 17 gemacht und schon vom Flughafen in die Hauptstadt…aber vielleicht lags auch an dem bockenden Suzuki😀Ansonsten weckt das Lesen sofort wieder Sehnsucht,auch wenn ich viele Highlights Dank Wetter nicht gesehen habe..ganz schrecklich fand ich die freien Tanksaeulen,die meine Kreditkarte nicht nicht nehmen wollten…in Sturm,Regen… trotzdem gern Mal wieder…Matthias Berlin

  7. Andrea sagt

    Moin Moin Marc! Habe deinen Bericht mit Begeisterung gelesen. Doch vor allen Dingen habe ich mich über das FAZIT der Westfjorde gefreut. In der Tat haben wir im August viele Touristen auf Island gesehen, die sich respektlos der Natur gegenüber verhalten haben. Und ich kann deine Ansicht nur unterstützen und unterstreichen, dass wir Besucher eine Verantwortung tragen, diese tolle Landschaft zu erhalten.

    Auf unserer Fahrt von Reykjanes nach Raudasandur hatten wir einen Streckenabschnitt auf der Straße 60 ( von Bjarkalundur bisEyri) der nicht asphaltiert war. Irgendwo (leider kann ich den genauen Punkt nicht mehr herleiten) gab es auf dieser Strecke eine 15% Steigung bzw Gefälle. Für unsichere Fahrer/ bei schlechtem Wetter u,U. eine Herausforderung.

    Liebe Grüße Andrea

  8. Hallo Marc, ein schöner Bericht über die Westfjorde. Ich war im September dort, war mächtig begeistert und denke sehnsüchtig zurück, wenn ich derzeit meine zahlreichen Fotos bearbeite und dabei ansehe. Ich war übrigens einer von denen, der mit einem normalen Pkw auf den Schotterpisten unterwegs war. Das nächste Mal nehme ich aus komfortgründen auch einen größeren 4×4, obwohl mein kleiner Kia gut durchgehalten hatte.

    Anmerkung: das Wrack der Garðar BA 64 hast du in deiner Karte falsch eingezeichnet. Das Wrack liegt an der 612 am Ende des Patreksfjörður.

    Gruß Jens

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