Jökulsárlón, die Gletscherlagune im Süd-Osten Islands ist vermutlich die berühmteste Sehenswürdigkeit des Landes und für zahlreiche Besucher das Highlight ihrer Reise. Knapp fünf Stunden dauert die Fahrt mit dem Auto entlang der Ringstraße, etwas mehr mit dem Bus. Vorbei an vielen Wasserfällen, alten Farmen und schönen Ortschaften geht die Reise zu einem magischen Ort. Hier gibt es viel zu sehen, viel zu entdecken und viel zu lernen. Im folgenden Beitrag möchte ich dir einen möglichst umfassenden Überblick zu Jökulsárlón geben, sodass du deinen Besuch optimal planen und vor Ort viel Spaß haben kannst.

Dazu haben wir in der Island App eigens eine Tour rund um Jökulsárlón kreiert. Darin erklären wir vieles was hier im Artikel beschrieben ist als Audiokommentar und spielen so ein bisschen deinen persönlichen Tourguide vor Ort!

Los geht’s…

 

Jökulsárlón in Island: Was ist eine Gletscherlagune?

Eine Gletscherlagune, oder genauer gesagt ein Gletscherrandsee, entsteht wenn ein Gletscher zu schmelzen beginnt. Bis zu diesem Zeitpunkt, hat er sich üblicherweise seinen Weg in das Land hinein gebahnt, zum Beispiel weil er während einer Eiszeit gewachsen ist. Dabei schiebt er Gestein und Sediment vor sich her, was manchmal zu einer Art Damm oder Deich anwächst. Diese Moränen dienen im Fall des Schmelzens dann als natürliche Abgrenzung und stauen das entstehende Schmelzwasser. Es entsteht ein See. Das Wasser stammt meistens nicht alleine vom schmelzenden Gletscher sondern setzt sich teils aus Regen und teils aus Grundwasser zusammen.

Die Gletscherlagune Jökulsárlón in Island

Die Gletscherlagune Jökulsárlón in Island

In unseren Regionen kennen wir diese Gewässer aus den Alpen, hier gibt es viele kleine und große Gletscherseen.

Die Gletscherlagune von Jökulsárlón entstand in den frühen Jahren des letzten Jahrundert, also um 1900 herum. Während der Gletscher in einer kleinen Eiszeit zwischen 1600 und 1900 einige Kilometer an Raum gewann, zog er sich ab den 20er Jahren massiv zurück. Die bis dahin entstenden Gletschermoränen formten die Lagune, wie wir sie heute kennen. Das schnell schmelzende Wasser füllte sie auf und die beim Schmelzvorgang reihenweise abbrechenden Eisberge fanden im See ein schönes Plätzchen für ihre letzten Tage.

Die Ausmaße der Eisberge, des Sees und des – heute kaum noch sichtbaren – Gletschers sind enorm. Wie du vielleicht weißt, befindet sich bei Eisbergen im Meer der weitaus größere Teil unsichtbar unter der Wasseroberfläche. Bei Gletschern scheint dies ähnlich zu sein. Hättest du gedacht, dass der See an seiner tiefsten Stelle über 240m tief ist? Das heißt, bis hierher hat das Eis des Gletschers einmal geragt und die Erdmassen verdrängt. Das ist beinahe drei mal so hoch wie die Hallgrímskirkja in Reykjavík!

Die Eisberge die im Wasser treiben können eine Höhe von 30m und mehr erreichen und durch das rapide Schmelzen der Gletscherzunge ist davon auszugehen, dass es hier noch ein paar neue Rekorde geben wird. Regelmäßig kalbt der Gletscher, so bezeichnet man das Abbrechen von Eisbergen und schrumpft dabei während er die Lagune vergrößert.

Während die Lagune in den 70er Jahren bei einer Größe von etwa 8 Quadratkilometern noch gut überschaubar war, ist der See mit seinen 23 Quadratkilometern heute zu einem gewaltigen Gewässer herangewachsen. Im Verlauf der Jahre vermuten Wissenschaftler nun die Bildung eines Fjordes. Jökulsárlón selbst liegt einige Meter unter der Wasseroberfläche des Atlantik und bei einem langsam steigenden Meeresspiegel ist es nur eine Frage der Zeit wann sich die Lagune ganz mit dem Meer verbindet. Auch wenn dies vermutlich noch eine ganze Weile dauern wird, macht man sich heute schon Gedanken darüber wie man mit dieser Veränderung umgehen kann denn die nahe gelegene Ringstraße ist unmittelbar davon betroffen.

 

Jökulsárlón Bootstouren: Was erwartet dich?

Für Jökulsárlón werden zahlreiche Touren angeboten, von der Tagestour bis hin zur mehrtägigen Reise rund um die Gletscherlagune ist alles dabei. Wer Island auf eigene Faust mit dem eigenen Mietwagen erkundet, kann sich also selbst ein Programm zusammenstellen. Wer lieber geführte Touren buchen möchte kann aus einem großen Angebot wählen.

Ich möchte hier mal ein paar Touren vorstellen, über welche ich gutes Feedback von Lesern oder Freunden aus Island bekommen habe. Der Klassiker ist die einfache Tour mit Boot, am ehesten wohl für alle geeignet die mit dem Auto unterwegs sind oder mit einem Bus-Pass. Alternativ zum Boot gibt es die Zodiac Tour, also das Schlauchbot mit Außenbordmotor. Diese kleinen Boote sind etwas schneller, wendiger und eben kleiner: Man kann damit auch mal zwischen großen Eisbergen herumkurven.

Wer lieber geführte Touren bucht, weil man bspw. alleine in Island unterwegs ist, kann auf eine Tagestour mit Bootsfahrt zurückgreifen. Hier ist alles mit drin und die Fahrt ist zwar lang, aber man sitzt ja glücklicherweise nicht selbst am Steuer. Wer sich etwas mehr Zeit lassen möchte, was ich sehr empfehlen kann, sollte eine 2-Tages Tour mit Gletscherwanderung und Bootstour buchen. Dabei hat man genug Zeit für die tollen Wasserfälle an der Südküste Islands, wie zum Beispiel der Seljalandsfoss und der Skógafoss. Bei der Gletscherwanderung erfährt man wo der See entsteht und vieles mehr.

Amphibienfahrzeug/-boot oder Zodiac in Jökulsárlón?

Es gibt zwei verschiedene Fahrzeuge auf dem Gletschersee und beide haben ihre Vor- und Nachteile. Das normale Boot ist wohl die komfortabelste Variante ist das Amphibienfahrzeug denn es ist relativ groß und liegt daher ruhig auf dem Wasser. Man benötigt nur eine Schwimmweste und kann sofort auf das Boot steigen welches dann langsam und vorsichtig in das eiskalte Wasser fährt. Durch die Größe können diese Boote nicht in alle Ecken und Winkel der Lagune vordringen und halten sich daher meist im vorderen Bereich auf. Die kleinen Zodiacs, also Schlauchboote sind wendiger und mit ihnen kann man auch die entlegendsten Ecken des Gewässers erkunden. Außerdem kann man sehr viel näher an die Eisberge heranfahren. Durch ihre geringe Größe sind die Zodaics allerdings auch anfälliger für Wellengang und liegen unruhiger auf dem Wasser. Man muss einen wasserdichten Anzug (der gestellt wird) tragen, da Spritzwasser fast unvermeidbar ist. Hierdurch werden die Zodiac Touren dann auch etwas teurer.

Persönlich würde ich die Zodiac Tour empfehlen und auch selbst buchen, aber nur wenn man Seefest und abenteuerlustig ist. Ansonsten ist die Bootstour angenehmer und man hat mehr davon!

 

Tierwelt am Jökulsárlón: Seehunde am Gletschersee

Eigentlich nutze ich immer die Phrase ‚Flora und Fauna‘, aber Blumen wachsen hier nicht!

Dafür haben ein paar Seehunde die Lagune als ihr zu Hause erklärt und fühlen sich hier offenbar pudelwohl. Oft sieht man die kleinen und großen Pelzträger kurz auf- und sofort wieder abtauchen. Manchmal liegen sie faul auf den umhertreibenden Eisschollen herum.

Wenn es stürmig ist werden manchmal Fische in die Lagune gespült, dann haben die Küstenseeschwalben ihre große Freude und fangen sich ein paar Leckerbissen. Die Vögel nisten in den umliegenden Gebieten, daher sollte man hier vorsichtig sein beim umherwandern.

Ansonsten ist es in diesem Teil Islands eher ruhig, nicht viele Tiere leben in dieser Region.

 

Diamond Beach: Jökulsárlón’s schwarzer Strand mit Diamantbesetzung

Direkt gegenüber der Gletscherlagune, auf der anderen Seite der Ringstraße, befindet sich der Diamond Beach. Er erinnert ein bisschen an den schwarzen Strand von Vík, denn auch hier schimmert der Sand in der dunkelsten aller Farben. Die Eisberge welche klein genug geworden sind um durch den kleinen Engpass zu schwimmen, treiben zwar in den Atlantik hinaus, werden aber kurz darauf wieder zurück an den Strand gespült wo sie regelmäßig am Strand liegen bleiben.

Der Kontrast von diesem dunklen Boden und den teilweise lupenreinen Eisblöcken ist einzigartig und erlaubt es oft atemberaubende Fotos zu schießen. Spielereien mit den Dimensionen können Eiswürfelchen meterhoch oder Menschen klitzeklein aussehen lassen. Wer nach Jökulsárlón kommt muss auch den Diamantstrand erkunden.

 

Jökulsárlón im Winter oder im Sommer besuchen?

Deinen Urlaub in Island musst du nicht abhängig von Jökulsárlón umbuchen: Du hast hier im Winter genau wie im Sommer einen besuchenswerten Ort und im Grunde keine Beschränkung. Ich empfehle dennoch Frühling oder Sommer als ideale Reisezeit.

In der warmen Jahreszeit, genießt du einige Vorteile die sich aus der Lage der Gletscherlagune ergeben. Durch seine knapp 5-stündige Entfernung von der Hauptstadt Reykjavík liegt Jökulsárlón nicht gerade nebenan. Eine Fahrt hierher ist bei schönstem Wetter schon anstrengend, egal ob im eigenen Auto oder im Bus. Wer im Winter herkommt, hat oft mit Schnee und Sturm zu kämpfen und das kann auf einer Fahrt die 80% deines Tages einnimm äußerst unangenehm sein. Du kannst im schlechtesten Fall gar nichts sehen und verpasst sogar die szenische Route.

Wer also zum ersten Mal in Island bzw. Jökulsárlón ist, dem empfehle ich nicht im Winter her zu kommen. Für alle die schon einmal hier waren und Jökulsárlón noch einmal erleben wollen, kann der Winter eine tolle Ergänzung zu den bereits gewonnenen Eindrücken sein: Im Winter ist die Lagune weniger aufgeregt und ruhiger. Das liegt nicht nur daran, das etwas weniger Besucher hier sind sondern auch an den kalten Temperaturen welche das Kalben von Eisbergen verlangsamen.

 

Was trieb James Bond in Jökulsárlón?

…oder Lara Croft und vor allem Batman?

Hollywood hat die Gletscherlagune für sich entdeckt und schon mehrmals wurde das Gelände von Folmproduzenten angemietet und für Aufnahmen genutzt. James Bond Darsteller Roger Moore kam als Ertes hierher um für den Film „Im Angesicht des Todes“ Aufnahmen zu machen. Pierce Brosnan kam wenig später und spielte seine Rolle in „Stirb an einem anderen Tag„. Lara Croft, gespielt von Angelina Jolie zog es auf der Suche nach der „Wiege des Lebens“ zu den Eisbergen. Christian Bale kam in seinem Fledermausanzug hierher um die Geschichte von „Batman begins“ cineastisch zu erzählen.

Diese Gigs waren sehr wichtig für die Eigentümer des Landes rund um die Lagune, spielten sie doch wichtige Gelder für die Erhaltung der Infrastrukturen ein. Durch den Ansturm an Touristen ist es finanziell zwar etwas einfacher geworden, die Herausforderungen an die Erhaltung sind jedoch ebenso gewachsen.

Gletscherlagune Jökulsárlón in Island: Perfekte Filmkulisse

Gletscherlagune Jökulsárlón in Island: Perfekte Filmkulisse

 

Übernachten bei Jökulsárlón: Hotel, Hostel oder Camping?

An dieser Stelle möchte ich nochmal kurz auf die Island App hinweisen, mit der auch ich die Recherche für diese Unterkünfte gemacht habe: In der App kannst du dir zu jedem Ort die naheliegendsten Hotels, Supermärkte, Tankstellen und viele Sehenswürdigkeiten in Island anzeigen lassen und für Busreisende auch Bushaltestellen und Campingplätze.

Direkt am Jökulsárlón gibt es zwar keinen Campingplatz, dafür aber jeweils links und recht davon einen: Im Skaftafell kann von Mai bis Ende September gezeltet werden. In Höfn von Mitte April bis Ende September. Beide haben gute Bewertungen bei verschiedenen Reiseportalen und sind ca. eine halbe Autostunde von Jökulsárlón entfernt.

Wer es lieber etwas häuslicher hat, kann bei AirBNB Unterkünfte finden, die meisten befinden sich ebenfalls in Höfn. Du kannst dich hier bei AirBNB anmelden und 35€ für deine erste Übernachtung geschenkt bekommen.

Das Jökulsárlón am nächsten gelegene Hotel ist das Hali Country Hotel. Etwas westlich der Lagune befindet sich das Fosshotel Glacier Lagoon, direkt am Skaftafell Nationalpark. In den Orten Hof und Höfn finden sich noch viele weitere Hotels, Gästehäuser und Hostels. Ich würde mich freuen wenn du mir einen Kommentar da lässt wenn du eines davon besonders empfehlen kannst!

Eine Übernachtung mach hier vor allem dann Sinn, wenn man die Lagune im Abend- bzw. Morgenlicht sehen möchte. Bei Sonnenauf- bzw. Untergang lassen sich nunmal die beeindruckendsten Fotos schießen und dann fällt eine lange Anfahrt eher aus. Wer das nicht machen will, kann sich ein paar Euro sparen indem man eine Unterkunft wählt die etwas weiter weg ist und daher weniger „Tour-Steuer“ im Preis inbegriffen hat 😉

 

Fjallsárlón und Heinabergslón – Weitere Gletscherlagunen in Island

Jökulsárlón ist beliebt. So beliebt, dass es zur Hauptsaison regelrecht überrannt wird. Große Mengen an Besuchern drängeln sich auf dem Parkplatz und die Boote sind bis zum letzten Platz vollgepackt und auf Wochen im Voraus ausgebucht. Eine Alternative muss her und es gibt sogar zwei. Die etwas kleineren und etwas weniger bekannten Gletscherseen Fjallsárlón und Heinabergslón liegen nicht weit von Jökulsárlón entfernt, aber doch weit genug um sich ein wenig vor den vielen Menschen dort verstecken zu können.

Zu bedenken ist, dass es sich hier um touristisch nicht erschlossene Gebiete handelt. Das heißt es gibt weniger Touristen, aber auch dass diejenigen die hier sind eine große Verantwortung tragen: Ich bringe hier einfach mal den isländischen Schwur ein und hoffe du liest die Worte und hilfst dabei diese Wunder der Natur für alle zu erhalten. Im Winter sind diese Seen oft zugefroren, also lohnt sich auch hier eher ein Besuch im Sommer, je nachdem was man sehen / erleben möchte.

 

Privatbesitz? War mal, heute gehört Jökulsárlón allen Isländern!

Im November 2016 machte das Land Island von seinem Vorkaufsrecht gebrauch und erstand das Land auf dem die Gletscherlagune liegt. 2017 wurde es endlich zum Naturschutzgebiet erklärt und dem Vatnajökull National Park angeschlossen.

Ein guter und wichtiger Schritt in die richtige Richtung, finden wir. So kann sichergestellt werden, dass die Interessen der Erhaltung denen der finanziellen Ausschöpfung (weitgehend) vorangestellt werden. Natürlich muss auch der Staat Geld verdienen und es wird vielleicht schon bald in irgendeiner Form teurer die Lagune zu besuchen doch wird sich das zum Einen in Grenzen halten und zum Anderen haben die Isländer nun durch ihre Demokratisch gebildete Regierung einen Einfluss auf diese Dinge.

12 Millionen Euro hat das Gebiet übrigens gekostet und die Invesstoren, welche das Land kaufen wollten haben bereits Klage eingereicht. Das Interesse an der Lagune ist also nicht nur bei den Besuchern extrem hoch 😉

 

Jökulsárlón auf der Karte

Auf folgender Karte habe ich dir alle im Artikel genannten Orte und ein paar mehr markiert, damit du dich vor der Reise und vor Ort besser orientieren kannst.

 

 

Fazit zu Jökulsárlón: Einen Besuch wert!

Wow, das waren eine Menge Infos zur Lagune. Ich hoffe sie helfen dir bei der Planung deiner Reise und/oder vor Ort!

Die Island App ist ein idealer Begleiter: Nicht nur führe ich dich in der Jökulsárlón Tour durch die Umgebung und gebe dir wichtige Infos an die Hand, auch kannst du in der App nahe gelegene Orte von Interesse anzeigen lassen. Viele weitere nützliche Funktionen wie ein Währungsrechner sowie ein Nordlicht-Melder sind die idealen Tools für deine Islandreise!

Ein besuch der Gletscherlagune lohnt sich auf jeden Fall, wer noch nicht hier war hat etwas verpasst. Auch haben wir die ein paar Alternativen aufgezeigt und ich hoffe das hilft allen die sich dafür interessieren weiter.

Schreib uns doch in den Kommentaren gerne ein paar Worte zu diesem wundervollen Ort: Wann warst du hier und wie war es? Kommst du wieder? Hast du noch etwas zu ergänzen?

 

Wir freuen uns immer über Kommentare und wünschen euch viel Spaß in Island!

 

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