Islands Westmännerinseln, Heimaey auf den Vestmannaeyjar: Immer wieder werde ich gefragt, wo man noch das einsame und natürliche Island erleben kann. Fern der Touristenmassen, ein Geheimtipp bitte.

Zuerst die schlechte Nachricht: Ich glaube Geheimtipps für Island gibt es nicht mehr. Einige wurden schon an mich heran getragen, alle konnte ich bei Google finden. Ganz viele haben einen Eintrag in Google Maps. Damit sind sie nunmal alles andere als geheim.

Die gute Nachricht: Das macht nichts. Es gibt immer noch gute Tipps, die dabei helfen etwas einzigartiges zu finden. Das kann sogar eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten in Island sein, nur vielleicht aus einem anderen Blickwinkel. Oder zu einer unüblichen Tageszeit. Oder einfach nur ein kleines bisschen abseits des Pfades.

 

Die Westmännerinseln vor Island

Sie sind gut zu finden, bei Google und Tripadvisor. Sie sind natürlich kein Geheimtipp und du kannst im Lonely Planet von ihnen lesen. Aber das macht die Vestmannaeyjar nicht weniger interessant und auch nicht weniger abgelegen.

Etwas südlich des Landes befinden sich die vielen kleinen Inseln auf der nur knapp über 1% der isländischen Bevölkerung ihr zu Hause hat.

 

Verlassenes Haus auf Vestmannaeyjar (Foto: https://www.flickr.com/photos/hbarrison/)

Verlassenes Haus auf Vestmannaeyjar (Foto: https://www.flickr.com/photos/hbarrison/)

 

Heimaey ist die Hauptstadt der Vestmannaeyjar in Island

Mit guten 4000 Einwohnern ist Heimaey die größte der Inseln und durch seine geographische Lage wohl auch die Interessanteste. Es wird vermutet, dass die Insel auf einer Magmatasche liegt und diese Vermutung wurde historisch durch einige Vulkanausbrüche auch immer wahrscheinlicher.

Wegweiser auf Vestmannaeyjar (Foto: https://www.flickr.com/photos/vestman/)

Wegweiser auf Vestmannaeyjar (Foto: https://www.flickr.com/photos/vestman/)

1973 kam es hier zu einem der größten Ausbrüche eines Vulkans in Island. Durch einen glücklichen Zufall gab es damals keine Verletzten, denn durch einen Storm lagen alle Boote vom Vortag im Hafen und die Insel konnte rasch evakuiert werden. Eldfell, der Feuerberg, bricht am 23. Januar aus und begräbt die nahegelegene Stadt schnell unter einer dicken Schicht aus vulkanischer Asche. Lavaströme walzen alles platt, was sich ihnen in den Weg stellt. Viele Häuser sind heute unter dem schwarzen Stein vergraben, einige dienen als mahnende Erinnerung. Das Magma droht auch den Hafen der Stadt von seinen Bewohnern abzutrennen, was das sichere Ende von Heimaey als bewohnbare Stadt bedeutet hätte, denn die Fischerei ist die Lebensgrundlage der Bewohner.

 

Eldfell der Feuerberg – Ein Vulkan wird gebändigt

Als die Lavamassen sich scheinbar unaufhaltsam in Richtung Zivilisation schieb’s en, fasst man den Entschluss dies nicht einfach so geschehen zu lassen. Durch enorme Mengen an Meerwasser, welches auch von Schiffen aus auf das flüssige Gestein gesprüht wurde konnte die Lava soweit abgekühlt werden, dass eine realistische Chance bestand den Hafen zu retten.

Einen wahren Tanz auf dem Vulkan legten die Helfer dabei hin, denn um die bis zu 1000 Liter Wasser pro Sekunde auf der erstarrten Lava zu verteilen mussten Leitungen verlegt und sogar provisorische Wege erbaut werden. Durch die große Hitze wurden viele der Aufbauten aus Holz und Aluminium schnell wieder zerstört, die Wasserleitungen blieben allerdings größtenteils intakt da sie durch ständig fließendes Meerwasser gekühlt wurden. Hunderttausende Tonnen von Salz bedecken das Lavafeld, als Überbleibsel des Meerwassers.

Als die Eruption endete, machte man sich schon bald an den Wiederaufbau: Die abgetragenen Steine wurden in’s Meer geschütet um neues, bewohnbares Land zu schaffen und beispielsweise die Landebahn des Flughafens zu vergrößern. Die Westmänner wären nicht Isländer, wenn sie nicht eine Chance in der Geothermischen Aktivität gesucht hätten und so wurden verschiedene Krafwerke auf dem immer noch heißen Lavafeld errichtet die heute Energie für die Haushalte auf der Insel liefern.

 

Sehenswürdigkeiten auf den Vestmannaeyjar / Westmännerinseln Islands

Die Insel(n) haben einiges zu bieten. Nicht nur, aber natürlich viel rund um Vulkanologie. Du kannst hier an allen Ecken Spuren des Ausbruchs von 1973 sehen. Als Startpunkt dient wohl am besten das Vulkanmuseum Eldheimar, wo du alles über den Ausbruch lernen kannst. Vor allem sind hier Häuser ausgestellt, welche von der Lava erfasst wurden. Auch im Umland finden sich vereinzelt noch Reste von Häusern, die man auf eigene Faust erkunden kann.

Vulkanmuseum in Vestmannaeyjar

Vulkanmuseum in Vestmannaeyjar

Ein weiteres Highlight ist der Elephant Rock, eine Steinformation ganz am westlichsten Rand der Insel. Wer ohne Mietwagen in Island hier ist, muss ein paar Minuten Fußmarsch einplanen.

Wer eine kleine Wanderung nicht scheut kann sich auch auf den Weg in den Süden, zum Aussichtspunkt für Puffins machen. Von den kleinen, bunten Vögeln gibt es hier reichlich: Bis zu Zehn Millionen Exemplare leben auf der Insel. Durch die große Population ist es nicht verwunderlich, dass die kleinen Racker hier und da auf dem Teller landen: Puffins gelten hier als Delikatesse.

Puffin auf Vestmannaeyjar

Puffin auf Vestmannaeyjar

Eine Wanderung zum Vulkan Eldfell wird mit atemberaubenden Ausblicken über die Insel und das Meer belohnt. Da der Vulkankrater nur 200 Meter über dem Meeresspiegel liegt, ist diese Wanderung durchaus auch für nicht-Sportler gut machbar. Aus der Stadt ist man in einer guten halben Stunde am Vulkan und benötigt vor Ort nochmal 20 Minuten bis oben.

Um die Westmännderinseln herum tummeln sich viele Fische im Meer. Die beeindruckendsten dürften dabei die Schwertwale (Orcas) sein. Ja, ich weiß, sind gar keine Fische… Anzuschauen sind sie auf jeden Fall schön. Diese faszinierenden Tiere tummeln sich vor allem im Juli hier. Auch den Rest des Jahres macht eine Bootstour Sinn denn neben Orcas gibt es hier auch noch Höhlen in den umliegenden kleinen Inseln und auch andere Wale zu bestaunen. Es gibt ein und zweistündige Bootstouren ab ca. 100€.

Höhle in Felsen bei Vestmannaeyjar (Foto: https://www.flickr.com/photos/danielenchev/)

Höhle in Felsen bei Vestmannaeyjar (Foto: https://www.flickr.com/photos/danielenchev/)

Neben dem Museum zum Vulkanausbruch gibt es hier auch noch ein Naturkundemuseum mit Aquarium. Auch das Folksmuseum ist sehenswert, hier gibt es Informationen zum Leben der Inselbewohner auch abseits des Vulkanausbruches.

 

Anreise nach Heimaey

Zu den Westmännerinseln gibt es zwei Wege, zu Wasser oder durch die Luft.

Die wohl beliebeste Art der Anreise ist die per Schiff. Die Fähre von Landeyjahöfn nach Vestmannaeyjar schlägt mit ungefähr 10€ pro Person, ein Auto mit 20€ zu Buche. Die Fahrt dauert eine gute halbe Stunde und ist für sich selbst schon ein kleines Highlight. Die Überfahrt am besten im Voraus buchen.

Auch mit dem Flugzeug kannst du herkommen. Flüge ab Reykjavik dauern eine gute Stunde und starten bei etwa 150€ pro Strecke. Auch hier ist der Flug an sich schon eine kleine Tour, denn durch die geringe Strecke steigt man gar nicht so weit auf und hat fast durchgehend tolle Aussichten auf das Land. Flüge kannst du hier buchen.

 

Hotels, Hostels, Camping und andere Unterküfte auf den Vestmannaeyjar / Westmännerinseln

In Heimaey mangelt es nicht an schönen Unterkünften. So findet sich hier alles vom Luxusapartment bis zum Campingplatz. Ich möchte dir hier nur ein paar Unterkünfte zeigen die mir von Lesern und Freunden empfohlen wurden:

Das Hotel Vestmannaeyjar gehört zu den besten Hotels der Insel und punktet mit toller Ausstattung, Restaurant und Hot tubs. Etwas günstiger ist das Gasthaus Hamar, ein besonderes Highlight hier: Das Kapselhotel.

Wer es lieber geräumig und privat mag, kann bei AirBNB (Hier anmelden und 35€ Guthaben sichern!) fündig werden: Das Lava Center Apartment bietet Platz für 4 Personen. Dieses Luxusapartment hat sogar genug Raum für 8!

 

Karte der Sehenswürdigkeiten in Heimaey auf Vestmannaeyjar

 

Fazit: Ein Besuch in Heimaey auf Vestmannaeyjar ist doch ein Geheimtipp!

Nicht so geheim, dass man nicht alles über diese hübsche kleine Inselgruppe auf Google finden könnte, aber geheim genug um nur einen Bruchteil des Touristenaufkommen des nicht weit entfernten Wasserfall Seljalandsfoss um sich zu haben.

Heimaey hat eine unglaublich reichhaltige Geschichte und für einen voll gepackten Tagesausflug drängt sich die Insel geradezu auf. Es gibt viel zu entdecken und hier ist Island noch so, wie man es erleben will: Natürlich, rau, brodelnd und einsam.

Viel Spaß in Island!

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