Auf Nina’s Geschichte bin ich eher durch Zufall gestoßen, denn sie hat schon vor einigen Jahren einen Roman im Island-Kontext veröffentlicht. Aufmerksam wurde ich aber wegen ihres neuen Buches auf sie. Wir haben kurz hin und her gemailed und glücklicherweise hatte Nina Lust uns einige Fragen zu ihrem Buch und ihrer Zeit in Island zu beantworten.

 

Los geht’s…

 

Wer bist du und was machst du?

Ich bin Autorin (Nina Sahm), lebe seit einigen Jahren in München und schreibe hier meine Romane. Nach meinem in Ungarn spielenden Debüt „Das letzte Polaroid“ erschien mein zweites Buch „Das ganze Leben da draußen“, das in Island verankert ist. Und diesen Herbst kommt der dritte Roman heraus: „Das Alphabet meiner Familie“. Eine Familiengeschichte , die in einem Dorf am Bodensee ihren Anfang nimmt, und von der turbulenten Suche nach Heimat und Identität erzählt.

Autorin Nina Sahm spricht mit uns über Island

Autorin Nina Sahm spricht mit uns über Island

 

Was hat dich nach Island geführt und wieso Island?

Wenn ich nicht am Schreibtisch sitze, reise ich sehr gerne. Als die Idee für meinen zweiten Roman feststand und ich die ersten Kapitel geschrieben hatte, wollte ich unbedingt vor Ort recherchieren. Für die Geschichte war es wichtig, vor allem die Gegend rund um Reykjavík zu erkunden. Außerdem habe ich noch kleine Tagestouren gemacht – eine Gletscherwanderung und eine Fahrt die Küste entlang, vorbei an den Wasserfällen bis nach Vík. Aus zeitlichen Gründen konnte ich diese Recherche nicht mit einer richtigen Rundreise verbinden – das ist aber nach wie vor fest geplant und ich hoffe, dass ich bald nochmals mit mehr Zeit und am liebsten auch mit unserem umgebauten Campingbus aufbrechen kann. Mit der Fähre statt mit dem Flugzeug anzureisen und dann in aller Ruhe die Insel zu erkunden – das wäre ein Traum!

Nach Island zog es Nina Sahm aus verschiedenen Gründen…

Nach Island zog es Nina Sahm aus verschiedenen Gründen…

 

Warum spielt das Buch in Island?

Die Geschichte rund um zwei ungewöhnliche junge Frauen, die nach der richtigen Abzweigung in ihrem Leben suchen, hat auch eine ungewöhnliche Umgebung gebraucht. Die Bilder, die beim Nachdenken über den Plot in meinem Kopf entstanden sind, waren immer eine Kombination aus Großstadtleben und einer einsamen, schroffen Landschaft. Und Polarfüchse musste es dort auch geben! Ziemlich schnell war mir dann klar, dass der Roman nur in Island spielen kann…

…nicht zuletzt wegen den schönen Landschaften!

…nicht zuletzt wegen den schönen Landschaften!

 

Wer ist Elín?

Das ist eine der beiden Hauptfiguren im Islandroman. Eine eigenwillige und verträumte 16-jährige, die ein wenig aus der Zeit gefallen ist. Sie eckt bei ihren Altersgenossen an und folgt in jeder freien Minute den Fährten eines jungen Fuchses, der in der Umgebung von Reykjavík aufgetaucht ist.

 

Ein Leser deines Buches schrieb: „Die Figur blieb mir leider bis zum Schluss unverständlich. Kannst du das nachempfinden, war das so gewollt?

Elín ist ziemlich widerspenstig und deshalb kann sich nicht jeder mit ihr identifizieren. Aber es gibt ja im Roman noch weitere Personen und Themen… Ich versuche einfach, gute Geschichten zu schreiben, die mich selbst begeistern und interessieren. Wenn dann der Funke überspringt, habe ich mein wichtigstes Ziel beim Schreiben erreicht.

 

Das ganze Leben da draußen von Nina Sahm

Das ganze Leben da draußen von Nina Sahm

 

Du hast eine Woche in Reykjavík verbracht: Was hat dich in dieser Woche am meisten überrascht?

Vorher habe ich immer wieder diesen Spruch gehört: „If you don’t like the weather in Iceland, just wait for five minutes.“ Mir war nicht klar, wie viel Wahrheit darin steckt und wie oft ich diesen Satz wie ein Mantra wiederholen würde! Auch die Freundlichkeit und Offenheit der Isländer hat es mir sehr angetan. In einem Café fiel mir auf, dass isländische Mütter ihre Kinderwägen mit schlafenden Babys einfach draußen stehen lassen und ein Babyphone auf den Tisch legen. Als ich eine darauf angesprochen habe, meinte sie, dass das fast alle so machen. Die Kriminalitätsrate sei extrem gering – und das liege ihrer Meinung daran, dass sich auf der kleinen Insel jeder über irgendeine Ecke kenne. Und last but not least: Die isländische Lakritze hat noch zehnmal besser als in meiner Vorstellung geschmeckt!

Nina Sahm war zur Recherche auch in Reykjavík

Nina Sahm war zur Recherche auch in Reykjavík

 

Könntest du dir vorstellen in Island zu leben?

Im Sommer: Ja. Aber im dunklen Winter in Island müsste ich dann jedes Jahr anderswo einen sehr, sehr langen Urlaub machen.

 

Was waren deine Lieblingsorte in Reykjavik? (Café, Restaurant, Pool etc.)

Ganz klar die „Reykjavik Roasters“ unweit der Hallgrímskirkja. In diesem Café ist es so gemütlich, der frisch geröstete Kaffee ist ein Traum, und dann legen sie immer so wunderbare Schallplatten auf. Für meine Recherche war es wichtig, so viel alltägliche Szenen wie möglich aufzusaugen. Deshalb bin ich mehrmals in eines der städtischen Schwimmbäder, ins Laugardalslaug, gegangen. Zwischen den Isländern meine Bahnen ziehen, und danach ab in den Hot Pot am Beckenrand. Das fand ich ungeheuer entspannend und schön!

 

Vielen Dank für das Gespräch liebe Nina! Ich hoffe dich nach deiner nächsten Islandreise dann auch mal im Island Podcast als Gast begrüßen zu dürfen 🙂

 

Viel Spaß in Island!

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