Die Ringstraße ist gesperrt. Das ist die Hiobsbotschaft für alle Islandreisenden und kann den Urlaub schnell zu einem kleinen Alptraum werden lassen.

Glücklicherweise wird die Hauptverkehrsstrecke Islands hervorragend gepflegt  und entsprechend nur sehr selten geschlossen. Nur wenn die Bedingungen ein gefahrloses Befahren nicht mehr möglich machen, werden manchmal Teilstrecken abgesperrt. Diese sind dann meist für eine kurze Dauer nicht befahrbar, oft weniger als eine Stunde und nur sehr selten länger.

Wo erfahre ich ob die Ringstraße in Island gesperrt ist?

Das Straßennetz in Island ist hervorragend ausgebaut und wird sehr detailiert überwacht. Auf den Seiten der isländischen Verkehrswacht kannst du dich 365 Tage im Jahr darüber informieren wie die Straßenverhältnisse sind, ob Straßen gesperrt sind und welche. Fast alle Straßen haben Webcams, deren Bilder du live anschauen und so schon vor einer Fahrt entscheiden kannst ob die Straßenverhältnisse für dich OK sind oder du lieber den Wagen stehen lässt und deine Pläne änderst.

Hier sind ein paar direkte Links zu den Seiten der Vegagerdin, der isländischen Verkehrswacht:

Wer nicht auf die Infos der Webseite zurückgreifen möchte kann die Vegagerdin auch telefonisch befragen, unter der Telefonnummer 1777 kann man jederzeit alle aktuellen Informationen erfragen.

Gute Planung als Vorsorge vor einer überraschenden Sperrung

Auch wenn die Ringstraße so gut wie nie gesperrt wird und es in den seltenen Fällen meist ausreicht ein paar Stunden zu warten, empfiehlt es sich trotzdem immer eine gute Planung für seine Rundreise in Island zu machen. Wer zum Beispiel am letzten Tag seiner Rundreise vom Norden zum Flughafen in Keflavik muss, weil er vorher zu viel Zeit im Süden und Osten verbrachte kann in zeitliche Bedrängnis geraten wenn die Straße entlang der Westküste wegen Sturm gesperrt ist. So ähnlich ging es mir im März 2015 und ich war ganz froh keinen dringenden Termin zu haben.

Wer sich also gut vorbereiten möchte, muss eigentlich gar nicht viel machen. Ich empfehle dir Folgendes für jede Etappe, alles zusammen dauert keine 10 Minuten und kann während dem Frühstück am Handy erledigt werden:

  1. Schaue die die aktuelle Wetterlage an
  2. Schau dir die Route auf der Karte an und lege dir eine alternative Route zurecht
  3. Prüfe deine Reiseplanung im Bezug auf Zeit und Unterbringung
  4. Sei auf eine Nacht im Auto eingerichtet (Nur für den Fall der Fälle!)
  5. Frage die Einheimischen!

Prüfe die Wetterlage

Schau dir einfach am Abend vor der Weiterfahrt die Wettervorhersage für die Strecke an. Die Wettervorhersage für Island ist zwar sehr genau und trifft für die kommenden 24 Stunden oft zu, aber darüber hinaus würde ich mich nicht auf sie verlassen. Das liegt nicht daran, dass der Vorhersagedienst schlechte Arbeit leistet oder sowas, sondern daran das die Wetteränderungen in Island innerhalb weniger Stunden riesig und eine weitere Vorhersage dann nahezu unmöglich sein kann. Zusammen mit den Informationen zum Zustand der Straßen kann man so ziemlich gut für den nächsten Tag planen.

Winterliche Straßenverhältnisse auf dem Weg nach Þingvellir

Winterliche Straßenverhältnisse auf dem Weg nach Þingvellir

Plane deine Route

Wer seine Route kennt, oder zumindest sein Ziel, kann sich entsprechend gut vorbereiten: Man weiß welche Straßen man befahren wird, kann sich live per Webcam anschauen wie es dort aussieht und vor allem kann man sich Alternativen heraussuchen.

Wer z.B. über die Ringstraße von Akureyri nach Reykjavík fährt, kann große Teile der Strecke über die Halbinsel Snaefelsness zurücklegen. Ein gutes Beispiel denn hier ist ebenfalls Vorsicht geboten: Große Teile der Strecke sind Schotterpisten!

Ich plane meine Road Trips sehr, sehr gerne mit Google Maps und bis auf einige kleine Patzer hat das immer super funktioniert. In Europa sind die Karten sehr aktuell und genau, in den USA noch besser und sogar in Afrika konnte man sich meist sehr gut darauf verlassen. Für Island gilt das bedingt, die Karten sind gut aber es fehlen wichtige Informationen und man sollte sich dessen bewusst sein wenn man Google Maps zur Navigation nutzt. So zeigen die Karten Schotterpisten in der gleichen Farbe wie asphaltierte Straßen an und gerade wenn man in schwierigen Bedingungen eine Alternative Strecke sucht, kann das schnell zur Gefahr werden. Eine gute Alternative zu Google Maps kann Open Street Maps sein. Hier findet man von Benutzern eingespielte Karten und diese sind oft aktueller und detalierter. Genauso oft sind sie es aber nicht und deshalb würde ich immer empfehlen beide Kartendienste anzuschauen.

Prüfe deine Reiseplanung

Wer sich am letzten Tag seiner Islandrundreise entscheidet noch 500km auf direktem Wege zum Flughafen zurückzulegen, sollte sich besser sehr genau informieren wie die Straßenverhältnisse sind und ob das Wetter bei diesem Plan mitspielt. Beides kann einem hier schnell einen Strich durch die Rechnung machen. Dann kommt man in Zeitnot und gerät in Eile, beides Zutaten für ein astreines Disaster.

Wer seine Reise entsprechend entspannt plant muss nicht in solche Situationen kommen und kann seine Reise von Anfang bis Ende relaxed genießen. Dazu gehört eine gute zeitliche Planung mit großzügigen Puffern und einem sinnvollen Zeitrahmen. Auch sollte man sich nicht zu hohe oder zu viele Ziele setzen: Wer nicht alles auf dem ersten Road Trip zu sehen bekommt, sollte lieber wiederkommen und das Land in Ruhe kennenlernen.

Sei auf den worst case vorbereitet

In meinem eigenen Auto habe ich immer ein kleines survival Kit im Kofferraum. Ich bin auf (fast) alles vorbereitet und mehr als einmal hat mir das schon geholfen. Bei Mietwagen in Island sieht das etwas anders aus, aber trotzdem ist meine erste Amtshandlung ein paar Dinge einzupacken, die mir im schlimmsten Fall das Leben erleichtern:

Eine Decke oder eine dicke Jacke liegt immer auf dem Rücksitz oder im Kofferraum. Eine Flasche Wasser und ein paar Kekse daneben. Ich habe einen USB Lader für den Zigarettenanzünder und eine Ladekabel für mein Handy im  Handschuhfach. So kann ich im Notfall also immer telefonieren, ein paar Stunden Kekse knabbernd auf einen Abschleppwagen warten und zur Not auch eine Nacht im Auto verbringen, eingewickelt in eine warme Decke.

Das ist für mich das Szenario des schlimmsten Falls und bisher ist das nie eingetreten. Ich würde mir also auch einen Road Trip nicht damit versauen mich zu ärgern, weil ich obiges nicht dabei habe.

Frage die Einheimischen

Der wohl wichtigste Tipp: Frag die Locals!

…die anderen Locals! ;-)

…die anderen Locals! 😉

Die Isländer kennen ihr Land und wer sein ganzes Leben in den Highlands verbracht hat, weiß Wettersignale zu deuten und wie man sich bei bestimmten Begebenheiten am besten verhalten sollte.

Wenn du die Gelegenheit dazu hast, frage im Restaurant kurz nach dem Wetter in den letzten Tagen und erwähne deine weiteren Reisepläne. Du wirst Feedback bekommen, ob du willst oder nicht 😉

Auch wenn hier oft übertrieben wird und man man wohl nicht selten eine gehörige Portion Seemannsgarn abziehen kann, sollte man die Ratschläge beherzigen und zumindest mit gesundem Menschenverstand abwägen wie man nun weiter vorgeht.

Bedenke immer: Keine Internetseite (nichtmal diese hier…), kein Smartphone und auch kein Reiseführer hat so viel Erfahrungswerte wie ein Einheimischer. Die Informationen welche die Isländer dir liefern können können unbezahlbar sein und sind dazu noch kostenlos.

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