Das Lava Center in Island erzählt die Geschichte der jüngsten Landmasse der Welt, zumindest in dieser Größenordnung. Es entstand erst vor rund 15 Millionen Jahren, als die Nordamerikanische und Eurasischen Kontinentalplatten sich voneinander zu lösten. Die Insel ist übersät von Vulkanen, geothermalen Gebieten und regelmäßig tritt Magma auch wieder an die Oberfläche.

2010 schleuderte der Eyjafjallajökull tonnenweise Asche in den europäischen Luftraum und lähmte damit den Flugverkehr weltweit, was ironischerweise den Tourismus (und Flugverkehr) in Island in der Zeit danach in neue Dimensionen treiben sollte.

Grund genug in seiner nähe über Vulkane zu informieren, dachte man sich und erbaute im Örtchen Hvolsvöllur, zu Fuße des Eyjafjallajökull das erste Lava Center in Island. Hier kannst du alles über Islands wilden Untergrund, Vulkane und ihre Ausbrüche, Erdbeben und Geologie lernen.

 

Die Ausstellung an der Südküste, in Hvolsvöllur an der Ringstraße

Im Sommer 2017 eröffnete also das erste Lava Center in Island (Homepage) und begrüßt seitdem täglich viele Besucher die entlang der Ringstraße unterwegs sind. Es ist nämlich ideal gelegen, im kleinen Ort Hvolsvöllur, direkt an der Ringstraße. Ein perfekter Zwischenstop, der sich wirklich lohnt.

Das Lava Center Island liegt bequem direkt an der Ringstraße

Das Lava Center Island liegt bequem direkt an der Ringstraße

Ich war im Oktober 2017 hier, auf der Durchreise zu den Westmännerinseln. Dafür bin ich eine Stunde früher aufgestanden, weil ich gerne möglichst früh dort sein wollte. Das hat sich gelohnt, denn ich war der Erste und hatte die ganze Ausstellung eine weile für mich allein. Später habe ich jedoch erfahren, dass dies nicht notwendig war: Die Besucher werden offenbar in Gruppen durch die Ausstellung gelotst und so werden kleine Gruppen in den jeweiligen Bereichen sichergestellt, ein cleveres Konzept.

Schauen wir uns also die jeweiligen Bereiche mal genauer an…

 

Der Korridor der Vulkane

Im Eingangsbereich gibt es einen langen, wunderbar beleuchteten Korridor in dem man das Gefühl bekommt, in ein vulkanisches System einzutauchen. Farben, Licht und Geräuschkulisse holen einen sofort ab und man kann die Phantasie schweifen lassen. An der linken Wand werden alle Ausbrüche seit 1900 aufgelistet und anhand ihrer Größe kategorisiert. Du wirst überrascht sein, wie viele Ausbrüche es tatsächlich in dieser kurzen Zeit bereits gab!

Das Lava Center Island und sein Korridor der Vulkane

Das Lava Center Island und sein Korridor der Vulkane

 

Entstehung und Wachstum von Island

Im Zweiten Bereich siehst du eine Halbkugel auf dem Boden, welche von oben mit einem Projektor angestrahlt wird. Man sieht Island im Laufe der Jahre und kann über den Verlauf nachvollziehen wie die Insel entstand und wie sie heute wächst.

 

Erlebe wie sich ein Erdbeben anfühlt

In diesem kleinen Korridor erfährt man als Besucher, wie sich ein Erdbeben anfühlt. Platten die in den Boden eingelassen wurden, bewegen sich gegeneinander und rütteln dich ordentlich durch. Die Geräuschkulisse tut ihr Übriges.

 

Die Mantelplume

In diesem Raum stehst du vor einer riesigen, schwarz-roten Säule aus flüssigem Gestein. Zumindest einer Nachbildung davon. Überall auf der Welt gibt es diese so genannten Mantelplumen, die einen direkten Kanal zwischen der Erdoberfläche und dem Erdkern darstellen. Wo sie die Erdkruste erreichen entstehen vulkane und geothermale Gebiete wie überall in Island. Andere bekannte Orte sind zum Beispiel der Yellowstone Nationalpark in den USA, die Azoren oder die Eifel.

 

Das Geräusch von Magma

Magma heißt flüssiges Gestein, wenn es sich noch unter der Erdoberfläche befindet. In diesem Korridor soll der Eindruck entstehen, dass du dich in einem solchen Magmafluss befindest.

 

Einführung in die Vulkanologie

In diesem Raum bekommst du einen Überblick über vulkanische und geologische Prozesse. An jedem Stand wird ein gewisser Prozess erklärt und visualisiert. Mit dem Finger kannst du den Zeitverlauf manuell steuern und dir dabei das erklärte gut visualisieren. Zu vielen Dingen gibt es dann auch entsprechende Gesteinsproben. Hier solltest du ein wenig genauer hinschauen, wenn du danach in ein vulkanisches Gebiet fährst, ein Lavafeld zum Beispiel wie auf den Westmännerinseln.

 

Der Gang durch die Asche

In diesem Gang wird der Ascheregen während oder nach einem Vulkanausbruch simuliert. Durch Nebel und Ultraschall wird einem die Sicht genommen und man kann sich nur noch an den Wänden entlang in die (hoffentlich) richtige Richtung ertasten. Ein seltsames Gefühl!

 

Die Halle der Vulkane

In dieser großen Halle wird an drei der vier Wände ein riesiges Panorama Islands geworfen auf dem die größten Vulkane der Insel zu sehen sind. Hengill, Hekla, Katla und natürlich Eyjafjallajökull.

Das Lava Center Island hat eine Halle der Vulkane mit einem riesigen Panorama

Das Lava Center Island hat eine Halle der Vulkane mit einem riesigen Panorama

 

Das Kino

Am Ende der Ausstellung erwartet einen noch das Kino, in welchem ein ca. 20 minütiger Dokumentarfilm über Vulkanausbrüche gezeigt wurde. Gesprochen wird hier wenig, man kann sich zurücklehnen und die Bilder auf sich wirken lassen.

 

Anfahrt zum Lava Center in Island

Das Lava Center liegt direkt an der Ringstraße (1) und kurz vor dem kleinen Ort Hvolsvöllur. Ein perfekter Stop wenn du zum Beispiel auf einer Tour entlang der Südküste bist, zu den Wasserfällen Seljalandsfoss, Skogafoss oder zur Gletscherlagune Jökulsárlón. Ich würde dazu raten möglichst früh hier zu sein, am besten direkt wenn um 9 Uhr geöffnet wird: Mit etwas Glück bist du vor den Tourbussen da, einer der großen Vorteile wenn du mit dem Mietwagen in Island unterwegs bist.

 

Fazit zum Lava Center in Island

Das Lava Center ist eine der besten Ausstellungen in Island die ich kenne. Vor allem emotional holte mich die medial sehr gut aufgebaute Ausstellung extrem gut ab: Man bekommt ein wirklich mulmiges Gefühl in den rot leuchtenden Gängen und die Geräuschkulisse lässt einem Zeitweise die Haare zu Berge stehen. Die Animationen sind erstklassig, die Videopräsentationen toll zusammengestellt und weder zu lang noch zu kurz.

Ich bin sehr ungeduldig und husche normalerweise immer sehr zügig durch Ausstellungen, das war hier nicht anders. Ich hatte aber nie das Gefühl etwas zu verpassen. Trotzdem wäre ein Audioguide noch ein kleiner Bonus gewesen.

Alles in allem ein wirklich empfehlenswertes Museum, ich kann dir einen Besuch wirklich an’s Herz legen.

Viel Spaß in Island!

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