Wo Elfen noch helfen: Andrea hat mit ihrem Buch ein Land dokumentiert, welches die meisten von uns bereits mögen. Spätestens nach der Lektüre dieses tollen Werkes wirst du es jedoch von ganzem Herzen lieben. Wir haben uns mit Andrea über das Buch und über Island unterhalten und ein paar schöne Einblicke in die Entstehung und hinter die Kulissen des Werkes bekommen.

Los geht’s…

 

Wer bist du und was machst du?

Halló! Ich bin Andrea Walter – Journalistin und Autorin. Ich schreibe Reportagen und Porträts für Magazine und hin und wieder ein Buch.

 

Was brachte dich 2003 nach Island?

Ich hatte ein Journalisten-Stipendium für einen zweimonatigen Island-Aufenthalt. Es funktionierte wie ein Austausch: Fünf Journalisten aus Deutschland gingen jeweils in eines der nordischen Länder – nach Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland und Island – und je ein Journalist aus diesen Ländern ging nach Deutschland und arbeitete dort in einer Redaktion. So kam ich 2003 in die Redaktion des Morgunbladid, der damals größten isländischen Tageszeitung in Reykjavík, und war dort quasi die Gast-Journalistin.

 

Was erwartet die Leser deines Buches?

Ich nehme sie im Grunde einfach mit auf die Reise, die ich damals selbst gemacht habe. Ich war zum ersten Mal in Island, hatte die irren Naturgewalten, die endlosen Lavafelder, die Vulkane, Gletscher und Wasserfälle, die fauchenden Fumarolen oder den Geysir noch nie gesehen. Außerdem war mir nicht klar, dass in Island so manches auf herrliche Weise anders tickt…

 

Wo Elfen noch helfen von Andrea Walter

Wo Elfen noch helfen von Andrea Walter

 

Was meinst du genau?

Vieles hat mit der Größe zu tun: Bei einer Einwohnerzahl von rund 340 000 Menschen im ganzen Land, kennt man sich einfach – und überall tun sich Verbindungen auf. Das hat die Recherche enorm erleichtert! Als ich am ersten Tag in der Redaktion etwa den Musik-Redakteur fragte, ob die Band Sigur Rós auf Isländisch oder in einer Fantasiesprache singt, sagte der: „Ruf die doch mal an, die sind nett!“ Und als ich nach der ehemaligen Präsidentin Vigdís Finnbogadóttir fragte, die 1980 das erste demokratisch gewählte weibliche Staatsoberhaupt der Welt wurde, war es genau das gleiche. Fast jeder steht dort im Telefonbuch (das nach Vornamen sortiert ist). Und überhaupt geschieht in Island vieles auf kurzem Wege und ohne große Hürden. Viele Erlebnisse und Geschichten flogen mir regelrecht zu. Außerdem weht eine Art heiterer Einfach-mal-machen-Geist durch die Straßen, der ziemlich ansteckend ist.

 

Fühlst du dich dort heute als Gast, als Einheimische oder irgendwas dazwischen?

Ein isländischer Freund sagte einmal zu mir, ich hätte „die Seele eines wahrhaft verrückten Wikingers“. Das war wohl so eine Art Ritterschlag. Aber nein, als Einheimische fühle ich mich nicht. Vielleicht eher so wie eine gute, alte Freundin.

 

Wie hat sich Island in den fast 15 Jahren, seit du zum ersten Mal dort warst verändert?

Gute Frage. Es ist in diesen Jahren auf jeden Fall sehr viel passiert! Anfangs sprachen bei uns vor allem Outdoor-Fans und Musikliebhaber von Island. Plötzlich wurde das Land auch durch seinen Wirtschaftsboom und dann vor allem für den Bankencrash von 2008 bekannt – vieles davon habe ich selbst hautnah miterlebt. Später legte der Vulkan Eyjafjallajoküll den europäischen Flugverkehr lahm – und zeigte so, dass in Island jederzeit alles anders kommen kann… Dann wurde ein Komiker Bürgermeister von Reykjavík. Der Premierminister stürzte über die Panama Papers. Die isländische Mannschaft schlug die Engländer bei der EM 2016. Kurzum: Seit ich Island kenne, hat es immer wieder für Neuigkeits-Eruptionen gesorgt. Was in Island also beständig bleibt, ist, dass dieses Land einen immer wieder überraschen kann!

 

Warum wohnst du heute in Berlin und nicht (mehr) in Reykjavík?

Ich liebe Island, aber Berlin und Hamburg doch eben auch!

 

Du magst Meer und Küsten: Wo war dein liebster Ort an Islands Küste?

Da gab es viele! Ich mag den Leuchtturm an der Südküste bei Dyrhólaey, die zauberhafte, ins Meer mündende Gletscherlagune Jökulsarlon. Den Ort Seydisfjördur im Osten. Die raue Küste von Snaefellsnes oder die wunderbare Insel Heimaey – um nur ein paar zu nennen…

 

Apropos Heimaey: Wie viele Papageitaucherbabies konntest du retten?

Ich selbst habe keine gerettet, sondern die Experten dabei beobachtet: Die Kinder der Insel! Zu einer bestimmten Zeit im August sammelten sie damals in den Sommernächten die Papageitaucherbabies auf, die sich verflogen hatten und statt auf dem Meer auf der Insel gelandet waren. Papageitaucher sind gute Schwimmer aber schlechte Flieger, einmal auf dem Inselboden gelandet, kommen sie nur schwer zum Meer zurück. Die Kinder halfen ihnen deshalb, fingen sie ein und ließen sie am Meer wieder frei. Das war wirklich reizend. Es hatte was von Bullerbü.

 

Du schreibst heute vor allem für Zeitungen, Zeitschriften & Magazine: Wird es noch einmal ein Buch (über Island) von dir geben?

Wer weiß… ! Aber erst einmal eigentlich nicht. Ich sitze gerade eher an anderen Projekten…

 

Wenn es eine Sache gäbe, die du aus Island mit nach Deutschland nehmen könntest (materiell oder immateriell): Was wäre das?

Diesen gewissen Geist der Unbekümmertheit, des Einfach-mal-machen‘s. Warum nicht? ist eine Frage, die man in Island ständig hört. Das gefällt mir! Und außerdem: die Hot Pot-Kultur! Es gibt wirklich nichts Schöneres als unter freiem Himmel, egal, ob es stürmt oder schneit, in heißen Wasserbecken zu sitzen und dabei mit anderen über Gott und die Welt zu diskutieren.

 

Fazit

Vielen Dank für diese Einblicke liebe Andrea!

Wir hoffen sehr, noch mehr von dir zu lesen und vertreiben uns bis dahin die Zeit mit der erneuten Lektüre von Wo Elfen noch Helfen 🙂

 

Viel Spaß in Island!

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