Meine erste Islandreise war eine Rundreise um die gesamte Insel im Jahr 2013. Im Juni hatte ich einen günstigen Flug gefunden, einen Mietwagen gebucht und mich auf den Weg nach Reykjavík gemacht. Die Reise war ein voller Erfolg und ich würde sie heute genau so wieder machen wollen: Für mich war sie allerdings nur der Grundstein einer langen Liebesgeschichte mit diesem tollen Land und viele weitere „Dates“ sollten folgen.

Für viele Leser ist das oft nicht so oder zumindest beschäftigen sie sich nicht nebenberuflich mit Island wie ich und daher zielen die meisten Fragen die ich bekomme immer darauf ab, wie man das Beste aus einer Islandreise herausholen kann. Hier also meine Tipps, wie man das hinbekommt. Los geht’s…

 

Island ist teuer

Damals war das gar nicht der Fall, für einen Euro bekam ich damals über 160 Kronen und der Preisanstieg durch den Tourismus sollte erst in den folgenden Jahren richtig Fahrt aufnehmen. Aber die Kosten für einen Islandurlaub waren auch damals relativ hoch für mich: Über 400€ kostete der Flug, der Mietwagen nochmal über 800€ und die Unterkünfte waren auch damals nicht gerade günstig: Alles in Allem hat mich der einwöchige Road Trip rund um die Insel damals weit über 2000€ gekostet. Eine hübsche Stange Geld für jemanden, der gerade seinen Job gekündigt hatte!

Natürlich war die Reise jeden Cent wert, das steht außer Frage. Heute wüsste ich allerdings ein paar Stellschrauben, mit denen ich einen einwöchigen Urlaub wieder in eine bezahlbare Region bekomme, obwohl die Krone mittlerweile viel stärker (1€ = 120ISK) und die Preise teilweise markant höher geworden sind:

Beim Flug sparen wäre mein erster Punkt: Ich fliege mittlerweile selten für mehr als 300€. Ich suche mir dazu einfach die zeitlich besten Verbindungen heraus und vergleiche bei Portalen wie Skyscanner oder Opodo. Oft macht es Sinn, sich verschiedene Flughäfen anzuschauen, denn durch die Gebühren kann der Endpreis hier schonmal variieren. Mir ist das teilweise so viel, dass ich statt von Berlin von Frankfurt aus fliege oder umgekehrt.

Der nächste Posten ist das Auto und mittlerweile weiß ich ganz gut, wie man am Mietwagen in Island sparen kann: Vergleichen, Vergleichen und dann nochmal kurz Vergleichen. Ich benutze Portale wie Billiger Mietwagen, Guide to Iceland oder Check24 und schaue mich dort nach günstigen Angeboten um. Man kann sehr gut filtern, welche Dinge einem wichtig sind und welche nicht: Weil ich ein alter Knacker bin, kann ich auch auf Anbieter zurückgreifen die nur an ältere Menschen (Über 25) vermieten und wenn ich weiß, dass ich keine Rundreise plane sondern in Reykjavík und Umgebung bleiben werde, buche ich den Wagen an einer Station in der Stadt statt direkt am Flughafen. Meistens buche ich so, dass alle Kilometer inklusive sind. Bei den Versicherungen ist mir mittlerweile vor allem die Steinschlagversicherung wichtig.

Bei Unterkünften in Island sparen ist mittlerweile relativ schwer geworden. Früher hatte man mit AirBNB noch eine gute Alternative, doch heute sind die Unterkünfte dort oft genauso teuer oder gar teurer als in Hotels. Deshalb gilt auch hier: Vergleichen! Ich benutze immer die Island App um Hotels in der Region zu finden, die ich besuchen möchte und prüfe dann nochmal bei AirBNB ob es eine Alternative gibt. Wenn du noch nicht bei AirBNB angemeldet bist, kann ich dir zumindest für die erste Übernachtung über diesen Link ein paar Euro Guthaben schenken (und bekomme selber auch welches, Danke!).

Vor Ort versuche ich dann meistens nicht mehr großartig zu sparen: Ein Urlaub ist zum Genießen da und nicht zum Münzen zählen. Ich esse meistens günstig (Supermarkt / Tankstellen) und gönne mir dafür zwischendurch mal einen Restaurantbesuch. Ich gehe sowieso lieber wandern und schaue mir die Natur an, statt Touren zu machen. Doch manche Touren in Island sind einfach lohnenswert und dann muss man eben im Monat danach mal auf den Flatwhite hier und da verzichten.

 

Zum erkunden braucht man Zeit

Immer wieder lese ich so Sachen wie:“Plane nichts, lass dich einfach treiben“ oder „Fahre einfach los, irgendwas schönes entdeckst du schon!“.

So reise ich auch selber. Aber ich empfehle es euch nicht pauschal, denn die meisten reisen unter ganz anderen Vorraussetzungen als ich: Sie haben 30 Tage Urlaub im Jahr oder sogar weniger, sie kommen nicht 1-2 mal im Jahr nach Island sondern vielleicht einmal alle 10 Jahre, weil sie danach andere Orte sehen wollen. Sie haben nicht vier bis zwölf Wochen für ihre Reise sondern zwei.

Da ist dieser Ratschlag meiner Meinung nach nicht unbedingt zielführend, denn wer das Beste aus einer Islandreise mache möchte sollte sich durchaus vorbereiten und auch vor Ort nicht unbedingt alles dem Zufall überlassen. Wer gut vorbereitet ist kann Pläne immer noch über den Haufen werfen und sich treiben lassen.

Ich recherchiere mittlerweile ausgiebig die Regionen in die ich reise, suche mir Orte oder Touren aus, die ich gerne erleben möchte und schreibe das alles auf. Vor Ort hilft mir die Island App indem sie mir nahe liegende Orte von Interesse anzeigt: Hotels. Tankstellen, Sehenswürdigkeiten und Touren. Eine Funktion die ich seit kurzem häufiger nutze: Wikipedia. Darin kann man sich Wikipedia Artikel zu Orten in der Nähe anzeigen lassen. Die Suche mache ich immer mal wieder wenn ich bei einem Roadtrip anhalte und manchmal kommen verblüffende Orte dabei zu Tage, die ich sonst niemals gefunden hätte.

Die Island App

Durch eine gute Vorbereitung zu Hause, gewinne ich also Zeit vor Ort und die kann ich dann nutzen wie ich mag!

 

Isländische Straßen sind anstrengend

Bei meiner ersten Islandreise hatte ich einen Kleinwagen gebucht und einen Kombi bekommen: Mein Glück, denn die Reise wurde dadurch entspannter. Für dieselbe Reise, eine Umrundung entlang der Ringstraße im Sommer, würde ich auch heute immer einen Kleinwagen buchen: Vollkommen ausreichend!

Bei meinem zweiten Aufenthalt, im Winter 2013 kurz vor Weihnachten, buchte ich wieder einen Kleinwagen und bekam auch einen. Damit fuhr ich zum Wasserfall Gullfoss wo es zu schneien begann und auf dem Rückweg schlitterte ich von einem Beinahezusammenstoß zum nächsten. Einmal trennte mich höchstens eine Zigarettenschachtel von der Leitplanke.

Routen wie der Golden Circle in Island oder die Ringstraße sind im Normalfall mit jedem Auto gut befahrbar und nur selten braucht man hier ein Allradfahrzeug. Im Winter würde ich jedoch immer dazu raten einen solchen anzumieten. Schneefall in Island ist definitiv anders als in den meisten Teilen Deutschlands, vor allem weil es im Winter so wenig Sonnenlicht gibt und es eigentlich immer ein wenig stürmt.

Doch auch im Sommer kann ein Allradfahrzeug sinnvoll sein: In großen Teilen der Westfjorde und auf einigen Kilometern im Norden der Halbinsel Snæfellsnes sind Schotterpisten ganz normal. Wer über viele Kilometer hinweg auf diesen unterwegs ist, wünscht sich schnell ein Auto mit größeren Reifen und mehr Federung.

Ich versuche also immer den passenden Mietwagen zur Jahreszeit in Island zu buchen und versuche in diesem Punkt auch nicht unnötig Geld zu sparen, weil man es im Ernstfall bereuen und ggf. sogar mehrfach zurückbezahlen würde.

 

Heiße Quellen sind nicht der heilige Gral

Die natürlichen heißen Quellen in Island sind wunderschön und auch ich steuere diese regelmäßig an. Wann immer ich in einer Region bin, wo es eine Quelle gibt die ich nicht kenne, versuche ich sie zu finden um sie mir anzuschauen.

Das tun viele Besucher und entsprechend tun es auch viele, die nicht wissen wie fragil diese Quellen sind. Manche richten dann großen schaden an, teilweise wissend und teilweise unwissend.

Seit einiger Zeit bin ich also dazu übergegangen, die Quellen mit großer Vorsicht zu besuchen: Wenn der Weg dorthin bereits zu ausgelatscht ist, bleibe ich lieber direkt im Auto. Wenn ich vor Ort bin und sehe, dass die Quelle eindeutig zu sehr unter den Besuchermassen leidet, steige ich nicht hinein und sammle vielleicht noch eine Handvoll Müll ein, bevor ich weiterfahre.

Die Blaue Lagune ist für mich keine heiße Quelle, sondern ein Spa: Wenn du mich fragst ob man sie gesehen haben sollte, sage ich: Ja. Aber eben nur wenn man gerne einen Tag in einem besonderen Spa verbringen möchte. Wenn du sehen willst wie die Isländer baden, dann wirst du dort einen vollkommen falschen Eindruck bekommen.

Ich wünschte, ich hätte schon bei früheren Reisen gewusst: Es gibt auch unglaublich schöne Schwimmbäder in Island, welche für höhere Besucherzahlen ausgelegt sind und die vor allem durch Eintrittsgelder Arbeitsplätze schaffen: Die von den Menschen, die sich darum kümmern. Ich wünschte es gäbe so etwas auch für heiße Quellen!

Das vielleicht schönste Schwimmbad Islands: Sundlaugin á Hofsósi

Das vielleicht schönste Schwimmbad Islands: Sundlaugin á Hofsósi

 

Du musst dir von niemandem vorschreiben lassen, wie ein “guter Islandurlaub” zu sein hat

Vor allem Menschen die schon in Island waren, bevor es “cool” war und diejenigen, die seit Jahrzehnten regelmäßig herkommen versuchen immer wieder Touristen – auch mich – zu belehren. Das ist für mich OK, denn ich freue mich neue Dinge zu lernen und vor allem aus den Erfahrungen von Anderen.

Aber nur weil mir jemand sagt, slow travel wäre die einzig richtige Art Island zu erkunden, muss das nicht die universelle Wahrheit sein. Ich habe meinen ersten Road Trip rund um Island – 1500km in 6 Tagen – sehr genossen. Heute reise ich anders, aber ich würde es vermutlich auch nochmal machen. Dafür muss ich mich nicht rechtfertigen und niemand hat das Recht mir so einen Urlaub schlecht zu reden.

Auch Aussagen wie:”Du hast Island nicht gesehen, wenn du nicht in XYZ warst!” bekam ich immer und immer wieder zu hören. Unsinn. Ich habe es vielleicht nicht so gesehen wie dieser Mensch, aber dafür hat er es vermutlich auch nicht so gesehen wie ich. Ich empfehle jedem, in Island tauchen zu gehen, weil es mein Lieblingssport ist und ein einmaliges Erlebnis. Wenn sie mir sagen, dass sie darauf keine Lust haben ist es vollkommen OK und sie verpassen dann auch nichts: Es hätte ihnen vermutlich keinen Spaß gemacht wenn ich sie dazu überreden hätte müssen. Warum sollte ich auch: Jeder wie er mag 🙂

 

 

Die Absperrungen haben einen tieferen Sinn

Beinahe jeder, vom Action-Touristen über nachhaltige Reisende, vom Influencer bis zum Touristenguide hat einmal eine Absperrung übertreten. Ich habe es gemacht, du hast es vermutlich auch irgendwann und irgendwo einmal gemacht.

Ich zwinge mich, seit dem letzten Aufenthalt nicht mehr zu denken:”Naja, ein Schritt und es ist ja auch niemand anderes hier!”, denn ich habe bei verschiedenen Wanderungen erlebt wie fragil die isländische Natur ist. Der Boden war an manchen Stellen wie Treibsand und jeder Schritt hinterließ einen Fußabdruck, den du vermutlich ein Jahr später noch sehen kannst. Mir war das nicht so bewusst, bis ich es mit eigenen Augen gesehen habe und auch wenn die Absperrungen manchmal sinnlos erscheinen, weil der abgesperrte Fleck sowieso schon zertrampelt ist: Es geht um das Prinzip!

In den letzten Wochen sind immer wieder Fälle von Offroad fahrenden und campenden Touristen in den Zeitungen erschienen und im letzten Fall wurde eine Strafe von über 11.000€ ausgesprochen: Bringen tut es vermutlich wenig bis gar nichts und der Schaden an der Natur ist sowieso vorhanden. Es wird in diesem Fall vermutlich Jahre oder Jahrzehnte dauern, bis der Boden sich erholt und die Wahrscheinlichkeit dass sich hier wieder unwissende Touristen austoben ist durch die nun vorhandenen Spuren ein Vielfaches höher.

Don't be this guy…!

Don’t be this guy…!

 

Ein bisschen extra-Aufwand zahlt sich oft sehr aus

Wenn ich heute in Island bin, werde ich zur Nachteule und zum Frühaufsteher: Wer früh morgens an den touristischen Orten ist, hat diese oft für sich alleine. Gegen 9 Uhr kommen meist die ersten Busse und andere Besucher: Da versuche ich dann schon wieder unterwegs zu sein. Klappt natürlich nicht immer, aber hier und da hat es mir schon tolle Momente beschert.

Im Oktober 2017 war ich in den Westfjorden Islands und auf dem Weg zum Wasserfall Dynjandi. Auf halber Strecke drehte ich um, weil es a) dunkel wurde und b) meine Route am nächsten Tag sowieso dorthin führen sollte. Am Tag darauf traf ich einen Fotografen und erzählte die Geschichte mit dem Zusatz:”…und Nordlichter waren auch keine zu sehen auf dem Weg.” Wortlos klickte er auf der Kamera herum und zeigte mir eines der beeindruckendsten Fotos von Nordlichtern die ich je gesehen habe. Aufgenommen nur wenige Stunden nachdem ich den Rückweg angetreten hatte.

Wer Nordlichter in Island sehen will, braucht Geduld. Ich wünschte, das hätte ich schon bei vorherigen Reisen nach Island gewusst!

 

Fazit: Heute weiß ich manches besser

Seit 2013 komme ich 1–2 mal im Jahr nach Island und jedes mal lerne ich etwas Neues. Durch das Blog, durch den Podcast und durch Leser die mit mir in Kontakt treten wird es immer mehr und ich hoffe es wird niemals ein Moment komme an dem ich das Gefühl habe, jetzt genug zu wissen.

Ich hoffe die obigen Punkte helfen dir ein bisschen bei deiner Islandreise, egal ob bei der Ersten oder Zehnten!

Viel Spaß in Island!

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