Normalerweise sollte ich ja hier als Island-Fan nur positives zu Island schreiben, dich in dem Vorhaben hierher zu reisen bekräftigen und auch Gründe liefern warum du denn dorthin reisen solltest.

Aber Island ist vielleicht nicht für jeden etwas und deshalb möchte ich hier mal eine Reihe von Gründen auflisten, aus denen du vielleicht lieber nicht nach Island reisen solltest.

Mindestens sollte diese Liste dich dazu anregen deine Erwartungen ggf. anzupassen, sodass du nicht enttäuscht wirst wenn deine Islandreise nicht so verläuft wie du es dir vorgestellt hast.

Auf geht’s (bitte mit einer Prise Ironie genießen)…

 

Du magst Kälte nicht

Wenn du es gerne warm hast und beim Gedanken an Schnee und Eis ein flaues Gefühl im Magen bekommst, solltest du zumindest auf gar keinen Fall im Winter nach Island reisen! In den Wochen zwischen September und März hast du eine wirklich sehr, sehr hohe Chancen viel Schnee auf den Straßen zu sehen. Zwar gibt es zu dieser Jahreszeit auch die höchste Wahrscheinlichkeit auf Nordlichter, doch das Verhältnis von beiden Wahrscheinlichkeiten liegt weit auseinander!

Sollte dich das nun tatsächlich abschrecken habe ich zwei Auswege für dich: Du kannst natürlich auch im Sommer nach Island reisen und die relativ hohen Temperaturen der Sommersaison für dich nutzen. In den Monaten Juni, Juli und August hast du große Chancen auf viel Sonnenschein, Temperaturen im Bereich von 15°C und mehr und wenig Regen. Das ist nicht warm, aber zumindest wesentlich angenehmer als Frost!

Außerdem kannst du dich auch an die Gegebenheiten anpassen und entsprechende Kleidung einpacken. Das Zwiebelprinzip hilft: Die erste Schicht ist Funktionswäsche, danach kommt eine wärmende und dann eine vor Feuchtigkeit schützende Schicht. Nur die mittlere Schicht dient der Wärmung und kann beliebig dick gewählt werden. Fließ eignet sich hier gut, aber auch ein schöner dicker Islandpullover wärmt ordentlich!

 

Du bist ein Pfennigfuchser

Du möchtest im Urlaub Geld sparen, nichtmal weil du musst, sondern weil es dir Spaß macht. Du buchst gerne einen All-Inclusive Urlaub, weil dann keine unerwarteten Überraschungen kommen können. Du handelst auch gerne mal mit dem Verkäufer wenn es um das Souvenir geht und wenn ein Liter Benzin oder ein Bier nicht günstiger als zu Hause ist, bekommst du schlechte Laune.

Dann ist Island kein Quell der Freude für dich. Seit gut zwei Jahren steigt der Wert der lokalen Währung rasant an, gute 50% sind es mittlerweile die man für viele Güter mehr zahlt als 2014/2015. Außerdem hat der Tourismus-Boom dazu geführt, dass viele Anbieter nicht mehr hinterher kamen. Wenn gestiegene Nachfrage nicht sofort mit mehr Angebot beantwortet werden kann, ziehen erstmal die Preise an. Genau das passiert gerade in Island und so steigen die Preise für Touren, Hotels und lokale Güter nicht nur durch die Währung sondern auch durch die Anpassung der Preise.

Ein Bier wird dich 8€ und mehr kosten, ein Glas Wein so viel wie hier eine ganze Flasche. Ein übliches Abendessen wird die Frage aufwerfen wie viele Michelin-Sterne der Koch hat. Benzin und Diesel sind gerne mal 25% teurer als in Deutschland, diese Preise schwanken allerdings stark.

Es gibt nur zwei Wege aus der Misere: Entweder ein Budget festlegen und versuchen damit das Maximale aus dem Urlaub heraus zu holen oder Island von der Liste streichen bzw. weiter nach unten setzen um etwas Geld beiseite zu legen.

Sparen kannst du am besten bei Mietwagen, Unterkunft und Ausflügen. Wenn du dann mit deinem Budget nachher nur 5 Tage auf einem Campingplatz ohne Mobiliät verbringen kannst obwohl du gerne das Land sehen möchtest, wird dich das nicht glücklich machen.

Island kann allerdings auch mit kleinem Budget super sein: Verzichte auf den Mietwagen und nimm den Bus, statt einem teuren Hotel kannst du auch Campen und dabei deine Ausflüge zu Fuß machen. Mit etwas Planung und Disziplin geht das alles.

 

Du willst einen typischen Städtetrip machen (Shopping, clubbing, drinking…)

Du magst Städte wie London, New York und Frankfurt? Du genießt es spät abends in die angesagtestens Clubs zu gehen und bis zum Morgengrauen zu tanzen? Auf den Sonntagsausflug kannst du getrost verzichten und liegst lieber den ganzen Tag mit Kater im Bett?

Island wird dich ein wenig enttäuschen, vermute ich. Mit dieser Intention war ich noch nie hier, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass man hierfür ein passendes Setting vorfindet. Zwar hat die Hauptstadt Islands einiges im Bereich Bars und Restaurants zu bieten, Clubs sind aber relativ spärlich gesät.

Shopping funktioniert hingegen recht gut: In den Straßen im Zentrum der Haupstadt finden sich viele kleine Geschäfte die alles mögliche anbieten, von der Spiegelreflexkamera über Secondhand-Klamotten bis hin zum Designermantel wird hier wohl jeder fündig. Schnäpchen wirst du hier nicht finden und die großen Designerlabels eher auch nicht.

Beim Trinken kommt es auf deine Schwerzgrenze im Bezug auf das Budget an bzw. wie schnell du diese hinfort trinken kannst: Alkohol ist teuer in Island! Ein Bier kann dich schnell 8, 9 und auch schonmal über 10€ kosten. Je nach Herkunft und Wechselkurs. Happy hours helfen, aber auch bei optimaler Betankung wird es eine teure Fahrt 😉

Zum Airwaves Festival sieht das übrigens kurzzzeitig anders aus. An diesen Tage ist die Stadt voll mit partylustigen Menschen die das Tanzbein schwingen. Hier ist also dein Opportunitätsfenster für einen Citytrip nach Reykjavik! Um das Getränkebudget zu schonen solltest du schon am Flughafen Alkohol einkaufen, hier ist er nämlich markant günstiger als in der Stadt.

 

Natur interessiert dich nicht die Bohne

Du setzt dich auf Gras und sofort juckt alles, wenn ein Marienkäfer auf deinem Arm landet laufen dir Schauer über den Rücken und der Gedanke an Wanderungen durch Berglandschaften lässt dich sofort in’s Koma fallen.

Island hat auch Alternativen dazu: In der Hauptstadt gibt es Museen, Galerien und das Konzerthaus Harpa. Also auch für kulturell interessierte Menschen gibt es hier genug zu sehen und man muss keine Abenteuer im Hochland unternehmen.

Aber das ist ein bisschen wie nach Afrika zu fliegen um im Hotelzimmer Safaridokus zu schauen.

 

Du magst keinen Massentourismus

Du bist gerne allein beim Reisen und du magst es nicht, wenn sich Menschen zu dir gesellen während du eine Attraktion bestaunst?

Du wirst in Island keine Sehenswürdigkeit mehr finden, die du für dich allein hast. An vielen Wasserfällen in Island gibt es mittlerweile Besucherparkplätze die größer sind als die in Reykjavik.

In der Blauen Lagune werden mittlerweile Busladungen von Touristen im Akkord angeliefert und wieder abgeholt. Rein, Selfie, Wein, raus. Ähnlich sieht es an den meisten bekannten Sehenswürdigkeiten im Süden der Insel aus. Am Geysir Strokkur dröhnen über dir Fluggeräte und neben dir die Spiegel von hunderten Kameras. Am Gulfoss kannst du kaum noch ein Foto vom Wasserfall machen, weil dir immer jemand im Weg steht.

Aber auch hier gibt es noch ein wenig Entwarnung: Sobald du den Touristenpfad verlässt, kannst du in Island auch nocht einsamen und entlegene Orte finden. Im Osten der Insel sind nur wenige Touristen unterwegs und wenn doch machen sie es vermutlich wie ich bei meiner ersten Rundreise in Island: Schnell durch. Für die Westfjorde haben die meisten weder Zeit noch den passenden Wagen und so wirst du auch hier noch einsame Orte vorfinden.

 

Fazit: Wann bzw. warum du nicht nach Island reisen solltest

Was ich oben beschrieben habe ist sehr, sehr schwarz gemalt. Dem ein oder anderen Island-Veteran spreche ich vielleicht aus dem Herzen, aber viele kennen Island ja auch gar nicht so, wie es früher einmal war (Ich ja auch nicht).

Man sollte das also alles mit einer Prise Humor nehmen, aber trotzdem vielleicht nicht einfach so wegwischen: Wenn viele der obigen Punkte auf dich zutreffen, ist das vielleicht ein Hinweis darauf, dass du einen Urlaub in Island gar nicht genießen würdest. Obwohl es gerade ein sehr, sehr angesagtes Reiseziel ist.

Das Land ist allerdings auch eigen und so sollte man genau abwägen, ob es einem bietet was man sucht.

 

Egal wie: Viel Spaß in Island!

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